Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009 header image 2

Mit etwas Abstand …

Juni 30th, 2008 · 1 Comment · Mini-Fastnet

…zu den Ereignissen und dem Renn-Abbruch des Mini-Fastnet die ausstehende Zusammenfassung.

Wir drängelten uns an der Linie nicht und hatten dann schlechten Wind hinter den ersten Booten, nutzen aber die erste Möglichkeit für eine Wende auf Steuerbordbug und ein langer Schlag raus auf die rechte Seite bis wir die Layline zur Luvtonne erreichten und dann wieder auf Backbordbug. Unser Speed war gut und auch auch die Wahl zum Solent anstelle der Genua. Mit 16-20kn und zuviel Luvgiegigkeit hatten wir - so wie die anderen Pogo1 auch - sogar bereits Reff1 im Groß.

Auf dem Schlag zum Raz de Sein waren wir trotzdem eines der letzten Boote und wechselten bei abnehmenden Wind bei verlassen der Baie de Douarnenez auf die Genua und ausgerefftes Groß.

Nach Passage des Raz de Sein flog der große Spi - der uns bei nur 12 Knoten Wind trotzdem klein erschien… Der Südkurs stellte sich auf dem Weg zur Tonne BXA (Ansteuerung Gironde) als gute Entscheidung der Wettfahrtleitung heraus. Praktisch war es die komplette Strecke runter ein Vorwindkurs, wechselnd zwischen ‘apperend wind angle’ 80 - 180 Grad. Wir paassierten Ile de Yeu ca 160 Meilen südlich bereits um 14.49 Uhr und damit nach 24h 4 min. (Das Race wurde draussen nochmals um 15min verschoben, Start war als am 16.6. um 14.45 Uhr). Bereits einige Zeit vor Yeu hatten wir - erst am Horizont und dann irgendwann vor uns - einen blauen Spi fliegen und dachten Nick und Nautipogo vor uns zu haben. Es war aber eine andere Pogo2 mit nur einer Person an Deck… Nachdem überholen schoss ich ein paar Fotos und der Typ holte dann tatsächlich seinen Camcorder und filmten uns ein paar Minuten. (Ich bin immer noch auf der Suche nach dem Video).

338 Großer Spi

Weiter mit einigen Wechseln zwischen kleinem und großen Spi erreichten Nachts die Tonne BXA. Die Positition in den Race-Instructions stimmte leider um eine halbe Meile nicht und so haben wir den Spi zu früh runter genommen und waren bei einer Menge Lichtern von Fishing-Boats, entfernten Corgoships, unbekannten blinkenden Tonnen usw. verwirrt. Erst nach (viel zu später) Positionskontrolle der “Given Position” der Instructions hatten wir die richtige Peilen auf dem GPS.

Bei der BXA-Rundung kurz nach Mitternacht meldeten wir uns ordentlich beim nah ankernden Assistence Boat. Alles gut - wir hatten auf dem Weg runter einiges aufgeholt: 4 andere Boote waren direkt vor oder neben uns, über Funk hörten wir weitere Rundungs-Meldungen an das Assistence Boat.

Nach der Rundung kam der Wind nun nicht mehr von hinten sondern - zum Glück nicht komplett von vorne - aber aus etwa 280 Grad. 325 Grad war ohne kneifen drin und wir zogen den Genacker. Bereits am Vormittag legte der Wind zu und wir wechselten auf die Genua um die Höhe halten zu können. Außerdem war ich froh das große Segel runter zu haben, da die Furling-Leine in Roll-Anlage den Dienst versagte und rausgesprungen war… nervend und umständlich das große Segel per Hand zu bergen. Später haben wir das aber dann noch einige Male getan. Es geht aber wie gesagt, eine funktionierende Rollanlage für das frei fliegende 32qm -Mylar-Vorsegel wäre wirklich sehr wünschenswert…

Genacker 338

Ich hatte dann eine Schlafphase (90min) um die Mittagszeit. Anschließend realisierte ich die > 23 Knoten Wind auf dem Display: Also Genua runter, Solent rauf! Safe, d.h. nur Einer auf dem Vordeck; erstes Segel unter Deck, erst dann das Zweite aus dem Cockpit auf´s Vordeck und angeschlagen. Gefühlte Zeit für den Wechsel: < 8min.

Reff1 hatten wir bereits mit der Genua drin, weiter stetig ansteigend mehr Wind, bei 28 Knoten kam Reff2, bei 32 Reff3 ins Groß. Marcus sah eine 34 auf dem Display. Ich musste nach vorne das Solent reffen, welches ansich nur 11,5 qm hat. Mit Reff sind es geschätzt nur noch 8,5 qm. Trotzdem läuft das Boot 5,7 Knoten Speed auf Kurs.

Mit zunehmenden Wind hörten wir über Funk eine französisches Gespräch und konnten “6″-”7″ heraus hören, wussten jedoch nicht ob hier Wind, Dauer oder eine Zahl von Booten oder sonstwas gemeint war…

Wir segelten mit dem Starkwind in die Nacht und erst mit erstem Tageslicht gegen 4.45 Uhr nahm der Wind ab und wir wechselten wieder auf Genua und Reff1 im Groß.

Im Laufe des Vormittags nahm der Wind stetig weiter ab und die Genacker kam wieder zum Einsatz. Leider mussten wir nun wirklich mehr Höhe machen, denn in der Nacht hatten wir auf Grund des Windes und der dazukommenden starken Welle einigen Versatz nach Osten, so dass es nicht mehr möglich schien ´Pointe de Penmarch´ ohne einen Hole-Schlag nach (Süd)-Westen zu passieren.

Diesen machten wir dann - hätten aber gleich ordentlich drauflegen sollen, denn das dichte Vorbei-Kneifen an den Rocks um “Spineg” war zeitraubend… währenddessen der Wind weiter abnahm…

Der ganze Tag verging für die 20 Meilen nach Norden. Am Abend gegen 21.00 Uhr standen wir 3 Meilen südlich Raz de Sein und mussten laut Race Instruction 15 Meilen westlich die West-Kardinale (Tonne) Chaussee du Sein passieren…

Raz de Sein

NO WIND … !!!

Ich sah in die Strömungskarten und realisierte, dass wir noch 2 Stunden bis zum drehend der TIDE hatten die dann in die Meerenge Raz de Sein zurücklaufen würde…

NO WIND … !!!

Zwei Stunden später sass ich an der Pinne und der Strom setzte ein, erst schwach… bei 1,5 Knoten weckte ich Marcus. Bei 2,5 Knoten fahrt über Grund versuchte ich das Assistence Boat anzufunken… keine Antwort. Über Channel 79 Anruf bei “Cross Corsen” (Coordination-Center in diesem Seegebiet ähnlich Bremen Rescue in D).

3 Knoten über Grund … N O W I N D

Ich nahm wieder die Pinne. Wir wechselten auf Channel 16 und Marcus rief nun nochmals Cross Corsen….
Dafür dass wir praktisch seit Stunden keinen Wind hatten, machten wir nun ordentlich Fahrt über Grund… unkontrolliert und unkontrollierbar. Der Einsatz der 3 Meter langen Holz-Ruders war komplett sinnlos. Der Motor war nicht dabei, so wie es bei Classe Mini üblich ist.

Steine, Flachwasser, felsige Küste.

3,5 Knoten Fahrt über Grund und: K E I N W I N D.

“338 - this is Cross Corsen - can you repeat please - OVER”

“Ja. Marcus, sag gleich, dass wir dringend Schlepphilfe benötigen.”

Der weitere UKW-Abwicklung lief auf Channel 67 und das Liveboat wurde uns dann für 30min später angekündigt …

… 30 MINUTEN Drift mit zunehmenden Strom. Steuern war sinnlos…

3,5 Knoten Fahrt über Grund und: K E I N W I N D.

Nach 20 min hörten wir Cross Corsen mit dem Liveboat sprechen. Auf Nachfrage wann das Boat eintrifft wurde uns wiederum 30 min zugesagt. Ohh!! Nach neuer Positionsmeldung realisierte das Einsatzzentrum, dass wir uns inzwischen SEHR DICHT an der kleinen Felseninsel TEVENNEC befanden.

“Can you put the ancre till the Liveboat arrives?”

Und das taten wir dann auch. Die 8 Meter Kette und 30 Meter Leine liefen - vorher ausgelegt - sauber vom Vordeck runter… und.. der Anker hielt!! Abstand zum Felsen etwa 30 Meter.

Wir bereiteten uns darauf vor ggf. das Schiff verlassen zu müssen, wenn der Anker nicht mehr halten sollten und wir direkt auf den Stein laufen sollten… es war 2.15 Uhr in der Nacht…

Es gab dann einen realen Test, die sicher verzurrte Rettungsinsel aus dem Schacht unter dem Cockpit in das Cockpit zu holen. Erfolgreich. Geschätzte Zeit: 5 Sekunden!!

Die Tasche mit den Dokumenten und dem Logbuch lag griffbereit. Ich war komplett durcheinander: Hier passierte gerade viel, viel mehr als nur das Rennen abgebrochen zu haben: Es ging ein Schiff und darum zwei Personen, die sich auf diesem Schiff in einer wirklichen Gefahrensituation befanden in Sicherheit zu bringen.

Mein Schiff.

Coconut Run.

Die zwei Personen: Mein Co-Skipper. Und - ich selbst.

… Das Liveboat - Da war es endlich… Sie warfen uns eine Leine rüber und schon zogen Sie los. Keine Antwort über UKW. Cross Corsen teilte uns mit: Wenn ihr die Leine habt, ja dann schneidet die Ankerleine durch!

Cut! Durch! Bon!

Mit einer Surf-ähnlichen Geschwindigkeit ging es weiter. Wohin eigentlich? Aha.. Ile de Sein. Ich hätte mir wirklich einen romantischeren Zeitpunkt für einen Besuch dieser Insel gewünscht. Aber gut, der Schlepp hier bedeutete Sicherheit für ein Schiff und zwei Personen.

Vor Ort bekamen wir eine Mooring zugeteilt. Eine etwa 2 Meter Hohe Metall-Tonne mit zwei stark fischig-riechenden 10 cm dicken Leinen. Eine davon kam um unseren Mast.

Wir befestigten eine weitere eigene Leine, aber 15min später war wir wieder an der Tonne. An der Tonne war ein 2,5 Meter großer Delphin. (Bekannt vom letzten Jahr in Douarnenez). Marcus ging schlafen.

Ich versuchte nun 1,5 Stunden das Boot von dieser Metalltonne abzuhalten, denn dieser Delphin sah seine Aufgabe darin die beiden Leinen der Tonnen in entgegengesetzter Richtung um die Tonne zu wickeln. An einem Ende der einen Leine befanden wir uns …

Crazy Dolphin

Sinnlos.. ich war zu müde. Ich konnte nicht aufgeben. Unzählige Schrammen an der Tonne zeigten das Leiden anderer Boote… Dann kam die Idee: Ich musste dicht an die Tonne und dort festmachen. Schnell die drei kleinen Fender festgemacht, zwei Leinen als festmacher so dicht wie möglich und genau mittschiffs. Jaa, genau! Das funktionierte.

Der Delphin kuckte ärgerlich. Ich ging schlafen… 7.00 Uhr. Um 9.30 Uhr meldete sich das Assistence Boat über UKW-Funk und bot uns einen Schlepp Richtung Douarnenez an. Immernoch fast kein Wind. Vor der Einfahrt in die Baie de Douarnenez bogen sie ab und gaben uns unsere Leine zurück. Bei uns ging der große Spi hoch und mit 10 Knoten ging es die 10 Meilen über die Bucht. Ein Boot mit Spi in Sichtweite vor uns. Ein Boot mit Spi hinter uns…

Wir meldeten uns bei Kommittee-Boot und baten um einen Schlepp, nach passieren der Linie: Bitte keine Zeit nehmen, wir haben bereits abgebrochen! Sch…! Das wäre eine guter Zieleinlauf gewesen! Das Boot vor uns war 307, eine andere Pogo1 mit Yannick und Clement an Bord. Hinter uns kam Nautipogo - 602 - mit Nick und Jo. Bereits über Funk erhielten wir deren Anteilnahme: “Hey guys we tought youre on the rocks - good you are safe - see you soon”.

Ja, wir waren unbeschadet.

Und wir hatten ein wirklich tolles Rennen mit super Downwind für 220 Meilen, hartem Segeln bei viel Wind gegenan nur dann diese “No Wind Zone” und diese Rettungsaktion.

Wir wären zu diesem Zeitpunkt wirklich gerne als Finisher über die Ziellinie gesegelt…

Mini-Fastnet Marcus Norbert

Tags:

1 response so far ↓

  • 1 nadine & celly // Jul 1, 2008 at 22:56

    chicket foto! gut siehste aus, warste beim frisör oder war das der wind? viel erfolg & tollen wind.
    grüße aus berlin

You must log in to post a comment.