Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Eine Sprintstrecke …

Juni 9th, 2008 · 3 Comments · Qualifizierung Azoren-Race, Qualifizierung Transat 6,50, Trophée M.A.Péron

ist der Parcours der MAP: DOUARNENEZ - RAZ DE SEIN - GLENAN - ILE DE GROIX - BIRVIDEAUX - CHAUSSÉE DE SEIN - DOUARNENEZ.

Die Skipper, die schon seit Jahren in der Klasse segeln, das Revier und die Küste hier bestens kennen und dabei sich selbst und ihre Boote bis an die Grenzen pushen sind super schnell.

Meine eigene Rückbetrachtung:

Ich selbst war am Start bereits spät, da ich eine Entscheidung über das richtige Vorsegel hinauszögerte. Der Wind vor dem Start schwankte zwischen 13 und 16 Knoten. Damit genau an der Grenze, um auf die Solent (Fock) zu wechseln. Vorbereitet hatte ich jedoch die große Genua. Ich blieb bei der Genua, setzte diese jedoch zu spät, so dass ich etwa erst 1 Minute nach dem Start über die Linie kam.

Wenn die Flagge D auf dem Startschiff gezeigt wurde, sollte es eine Luv-Tonnen geben. Ich sah “D” nicht,
aber das Feld fuhr trotzdem nach Luv. Ok, ich sah dann die Tonne.
Auf der Kreuz konnte ich zu Beginn einige Plätze gut machen, hatte jedoch leider die Stb-Genua-Schot innen an den Wanten durchgeführt, so dass ich hier mit Hilfe der BB-Schot umbauen musste.

Dann ging es schon mit leicht offenen Schoten raus zur Passage von RAZ DE SEIN. Vorweg: Dies ist mit Sicherheit die navigatorisch schwierigste Passage der gesamten französischen Küste: Strom mit bis zu 6,5 Knoten, Steine und Felsenküste, Wassertiefe von durchschnittlich nur 40 Meter, d.h. entsprechender Wellengang und ggf. Brecher.

Und an Bord allein, ohne das jemand anderes Steuert oder auf die Karte schaut: Solo-Racing.

Auf Grund der erwarteten Passagezeit des Feldes wurde ja noch am Morgen des Starttages der Start um 1,5h nach hinten verlegt. Mein Respekt vor der Passage von RAZ DE SEIN war und ist begründet.

Ungünstigerweise habe ich auf dem Weg dorthin richtig dicke Kopfschmerzen bekommen. Ich habe mehrmals nach oben in den Verklicker gekuckt und die Sonne stand genau dort drüber. Das tut weh…

Dann habe ich versäumt rechtzeitig ausreichend viel zu trinken. Die Kopfschmerzen wuchsen
und ich musste mich trotzdem konzentrieren und steuern, denn keiner der Autopiloten wollte funktionieren - vielleicht auf Grund der starken Strömung oder doch zu viel Segelfläche. Nach RAZ DE SEIN konnte ich mich nur noch ins Cockpit setzen und endlich Flüssigkeit trinken. Zum Glück hatte ich entsprechendes Sportgetränk zum Mineralausgleich vorbereitet.

Ich war mit diesem Kopfweh nicht in der Lage irgendetwas mehr zu tun, als das Minimum. An Spi vorbereiten und setzen war nicht zu denken und so ging es in die erste Nacht und Richtung Ile de Groix, die ich am Morgen passierte. Anschließend, etwa 2 Meilen vor Birvideux sah ich die Boote, die bereits den Turm passiert hatten wie an einem Faden auf dem Weg zurück Richtung Norden. Einige Stunden später war auch ich dort.

Ich sah dann zuerst einen Fischer. Dann noch einen… und noch einen… Ich war mitten in einem Kreis aus 10 !! Fischerbooten. Es sind dann jeweils einer Von links kommend und einer von rechts kommend vor meinem Bug gefahren. Kreuzend wollten wir aus diesem Ärger rauszukommen.

Da inzwischen der Wind so zugemommen hatte, das Reff 1 im Großsegel nicht mehr reichte, musste ich aufs Vordeck um die Riesen-Genua runter zu nehmen und die Fock zu setzen. Dazu musste ich wieder abfallen, denn bei 40 Grad Lage arbeite ich nicht auf dem Vordeck. Durch überkommende Wellen, wäre das quasi eine Arbeit unter Wasser - den Tauchschein habe ich aber erst für nächsten Winter geplant ;-)

Dieser Segelwechsel auf dem Vordeck dauerte 45 Minuten. Angeleint, aber safe.

Segel runternehmen, aufpassen das es nicht wegfliegt, unter Deck schaffen und dabei aufpassen, dass es nicht wegfliegt. Solent holen, anbauen, Schoten und Fall richtig anschlagen und dann endlich Segel setzen.
Wieder hoch an den Wind gehen. Feststellung: ein zweites Reff im Groß wäre inzwischen auch angebracht.

Also das zweite Reff ins Groß reinbinden. OK; damit läuft es super, viel besser. Danke: Setzen, trinken, abschwitzen …

Die Fischer sind auch weg:) Dafür nimmt der Seegang richtig zu. Neben dem Deck wird auch gleich das Cockpit gut mitgespült. Dazu hatte ich vorher selbst gar keine Zeit ;-)

Es geht dann den ganzen Tag über die stürmische See mit bis zu 40 kn Wind in die Nacht rein.

Mein Wunschkurs sind 330 Grad. Auf dem einen Bug kann ich etwa 010 Grad anliegen, die Wellen drücken uns aber schonmal bis 025 Grad weg.
Auf dem anderen Bug kann ich gerade mal so 270 Grad anliegen. Dabei knallt der Bug aber doll in die Wellen.
Bei 240 Grad knallt es nicht mehr, aber das ist nicht meine Richtung…

Bis CHAUSSÉE DE SEIN dauert es auf diese Weise bis zum nächsten Tag. Am Ende unter Landabdeckung läuft es gut. Nur 8,5 Meilen vor der Passage der Westtonne jedoch geht nichts mehr. Der Windmesser steht still. 0.0 Knoten Wind. Ich nutze die Zeit so sinnvoll wie möglich: ich schlafe:-)

Vier Stunden später sehe ich ein bei TS (True Speed Wind) eine 0.1 und dann 0.2 auf dem Display. Es tut sich etwas. Muss auch: denn inzwischen sind wir 4 Meilen nach Südosten zurückgedriftet… d.h.: Entfernung CHAUSSEE: 12,5 Meilen.

Der Wind bleibt bei 4 Knoten. Genacker (Code 0) anbauen und die Am-Wind-Eigenschaften Testen. GEIL! Nun mit 7 Knoten Fahrt die Passage der Westtonne. Ich hätte ETA in Douarnenez gegen 10pm … aber dann wieder eine Flaute. Diesmal drifte ich mit bis zu 3 Knoten wenigstens in die richtige Richtung.

Ich versuche über VHF (UKW-Funk) ein Begleitboot zu erreichen, um zu erfahren, wann die Ziellinie schließt, und ob es sich noch “lohnt” die letzten beiden Tonnen zu runden. Ich erreiche aber niemanden. Also quäle ich mich um die erste der beiden Tonnen, die ich erst anliegen kann, aber etwa 4 Meilen vor der Tonnen dreht der Wind wieder so, dass es doch noch eine Kreuz wird. Danach stetiger und guter Wind und ein Anlieger zur letzten Tonne mit leicht offenen Schoten und 6,6 Knoten rein in die Baie de Douarnenez zum Ziel.

2 Stunden lang versuche ich während dessen über VHF das Race Kommitee zu ereichen und mich anzukündigen, sowie Schlepphilfe in den Hafen zu bekommen. 2 Stunden lang antwortet niemand…

Ein Zielschiff ist nicht mehr da. Das Blinklicht der Ziellinie blinkt jedoch noch und damit nehme ich die Zielzeit. 0517 am 8. Juni 2008.

Wieder kein Wind. Den ersten Versuch die kleine Passage neben der Ile de Tristan in den Hafen zu segeln, breche ich ab. Ich bin kaputt und unkonzentriert. Ich drifte 1,5 Stunden im Morgendämmerung vor der Einfahrt.

Als das Wind-Display 2 Knoten zeigt kreuze ich unter Groß in den Hafen und lege mich so wie ich bin hin und schlafe erstmal 2 Stunden. Um 10, bereits geduscht, melde ich meine Zielzeit beim “Directeur du Race” an.

Ich habe das Ziel nicht im Zeitlimit von 18 Stunden nach Zieldurchgang des ersten Bootes erreicht und erscheine damit auf der Ergebnisliste als DNF (Did not finish).

Ich habe den Kurs komplett absolviert, für mich selbst lautet das Ergebnis: I finished by myself !!

Gelernt: Immer viel trinken und unbedingt schneller werden !!

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3 responses so far ↓

  • 1 Nicole // Jun 9, 2008 at 20:54

    Sodele, nun auch als “offizieller” Kommentar: Bin schwer beeindruckt von deinen Beschreibungen, die ich ja nun Dank meines schwer erlernten Seglervokabulars größtenteils verstehe und freue mich sehr darauf, weitere Berichte von dir zu lesen.
    :-) Nicole

  • 2 Volker Maibaum // Jun 10, 2008 at 18:22

    Super, dass du durchgekommen bist. Ich finde es schuftig von der Rennleitung, dass die es nicht mal hinkriegen, alle Boote die draußen sind auch wieder zu empfangen. Zeitlimit hin oder her, so was gehört sich einfach nicht. Die Positionsmeldungen auf der Website haben Sie ja auch nur bis Mittag 7.6. akualisiert. Gruß Birke

  • 3 Immo // Jun 10, 2008 at 19:43

    Hey Norbert,
    wie ich Dich kenne siehst Du es olympisch, obwohl das ja wirklich gemein ist, vor allem wenn man sich bis zum bitteren Ende durchgekämpft hat.
    Trotzdem, gut gemacht.
    Gruß
    Immo

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