Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Hoehen und Tiefen

Oktober 28th, 2009 · 11 Comments · Transat 6,50

liegen bei einer Regatta wie dem Minitransat sehr eng beieinander. Kaum haben sich die Sorgen um den Italiener Ricardo Apolloni (426) gelegt, tauchen neu duestere Wolken am Himmel auf. Ricardo war kurz vor dem Ziel einige Zeit vermisst. Geruechte verbreiteten sich, dass er noerdlich von Salvador gestrandet ist. Die ersten Nachrichten waren bedingt durch Sprachprobleme nicht in der Lage die Situation aufzuklaeren. Es stellte sich schliesslich heraus, dass Ricardo einen Ruderbruch hatte und bedingt durch diesen Schaden sehr viel selbst steuern musste. Die Anstrengung liess ihn bei einer kurzen Pause in einen tiefen Schlaf fallen. Aufgewacht ist er erst durch den Ruck beim Auflaufen auf einen Sandstrand. Als er schliesslich an Land gelangt ist, musste er versuchen an ein Telefon zu gelangen und sich an eine Nummer zu erinnern. Er waehlte die naheliegendste, die seiner Frau und schilderte seine Situation mit der bitte die Regatteleitung zu informieren. Ohne Positionsangabe nur mit einem brasilianischen Namen war die franzoesisch-italienische Kommunikation nicht wirklich erkenntnisreich und so wusste man zunaechst nur, dass es ihm gut geht. Das Rennen war fuer ihn jedoch bereits vorbei. Sehr tragisch, da er zu diesem Zeitpunkt an dritter Position lag und ein hervorragendes Rennen gefahren ist. Der sympathische Italiener nimmt es jedoch nicht allzu schwer, hat er doch durch seine Abwesenheit auf dem Atlantik ein wichtiges Ereignis verpasst: Die Geburt seines zweiten Kindes! Zwei Tage nach seiner Strandung kommt er schliesslich in Salvador an und gibt mit seinem typischen Schmunzeln das Telefonat mit seiner Frau wieder: Er: Das Boot ist gestrandet…aber ist es ein Maedchen oder ein Junge?. Sie: Was, dass Boot ist gestrandet? Er: Sag mir bitte, ist es ein Maedchen, oder ein Junge? Sie: Es ist ein Junge. Er: Ja, dass Boot ist gestrandet…

Neben den Skippern kommen auch nach und nach die Begleitboote nach ihrer Atlantikueberquerung im Hafen von Salvador an. Auch sie werden herzlich begruesst, da sie ein elementarer Teil der Regatta sind und waehrend der gesamten Zeit im engen Kontakt mit den Skippern standen.

Am 27. Oktober sind noch 10 Minis auf dem Meer. Einer darunter bereitet den Organisatoren schlaflose Naechte. Alexandre Scrizzi (672). Seine Position ist seit einiger Zeit aeusserst auffaellig, da er sich bereits suedlich von Salvador befindet und damit am Ziel vorbeigefahren ist. Die Situation ist so beunruhigend, dass die Regattaleitung sich mit der brasilianischen Seenotrettung und Marine in Verbindung setzt, um Unterstuetzung zu erbitten. Ein Flugzeug soll zu der Position des Boots fliegen und versuchen Kontakt aufzunehmen. Es ist wirklich ernst. Die heitere Stimmung auf der Terasse des Terminal Maritimico wird von der Information ueber den Sachstand und die folgenden Aktionen getruebt. Die Organisation erlaeutert, was bereits unternommen wurde und was noch folgt. Die meisten Gespraeche kreisen nur noch um ein Thema. Das Flugzeug mit Isabelle Magois (Regattaorganisation und ehemalige Minitransatteilnehmerin), Luca Montagne (Praesident der Classe Mini) und einem Arzt an Bord ist unterwegs. Sie ueberfliegen das Boot von Alexandre, koennen aber weder einen Funk- noch wirklichen Sichtkontakt herstellen. Sie haben jedoch Gewissheit gewonnen, dass das Boot unter Spi mit ersten Reff nach wie vor mit 8 - 9 Knoten in Richtung Sueden unterwegs ist. Im Niedergang war eine “Form” sichtbar. Alles nicht wirklich beruhigend und ohne abschliessende Erklaerung. Ein Flugzeug der brasilianischen Marine wird einige Stunden spaeter aehnliches feststellen. Die “Form” wird dieses Mal im Cockpit gesichtet. Da sich das Boot ca. 300 Meilen von der Kueste entfernt befindet, wird das Marineschiff die Zone erst am Nachmittag des 27. Oktobers erreichen und ebenfalls versuchen Kontakt mit Alexandre aufzunehmen. Der Versuch gelingt und Alexandre teilt mit, dass sein GPS seit dem Aequator nicht mehr funktioniert und er im Glauben war sich 400 Meilen weiter noerdlich zu befinden. Er wird nun bei seinem Kurs auf Salvador von der Marine begleitet und am Donnerstagvormittag erwartet.
Trotz der Erleichterung ueber die Nachricht, dass weder ein Unfall noch ein mentales Tief mit fatalen Folgen die Ursache des beunruhigenden Kurses waren bleibt der Vorfall ungewoehnlich und heiss diskutiert. Die meisten Skipper koennen nicht glauben, dass man sich dermassen irren kann, auch bei einem Technikausfall. Genau das ist ja gerade der Grund, warum die Boote mit einem Sextanten ausgeruestet und die Skipper diesen auch anwenden koennen muessen…

Der heutige Dienstag bringt nach der Erleichterung noch ein freudiges Ereignis zu Tage. Die Hochzeit von Fabien Sellier (483) und seiner Freundin Hoelenn. Die beiden liessen sich in recht aussergewoehnlichem Rahmen auf dem Begleitboot Podorange nach alter Tradition von dem Skipper/Kapitaen trauen. Im Anschluss feierten die beiden bei einer Rundfahrt mit einem Ausflugsboot durch die Allerheiligenbucht von Salvador mit den Ministen und unterstuetzt von brasilianischem Temperament und Lebensart bis in die Nacht. Da die naechsten Ankuenfte erst fuer morgen Vormittag vorhergesagt sind, konnten auch die Organisatoren etwas entspannen und feiern.

Norbert liegt momentan an 42. Position und wird morgen zwischen 10 und 11 Uhr lokaler Zeit als erster von den vier nur wenige Meilen voneinander entfernten Minis im Ziel erwartet. Es wird nach 24 Tagen auf See seine letzte Nacht auf dem Atlantik sein. Auch fuer den Endspurt dieses Langstreckenrennens schicke ich ihm meine guten Wuensche entgegen und bin schon sehr gespannt auf und erfreut ueber seine Ankunft!

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11 responses so far ↓

  • 1 Heidi Klee // Okt 28, 2009 at 08:25

    Wir wünschen Norbert eine ruhige letzte Nacht auf dem Atlantik und eine gute Ankunft in Salvador. -Danke ! - an Stefanie für den langen aufschlußreichen Bericht.
    Liebe Grüße von der Klee-Familie

  • 2 Philipp Reinke // Okt 28, 2009 at 09:36

    Genau, vielen Dank Steffi für die wunderschönen Berichte.
    Bis bald und alles Gute nach Brasilien.

    Philipp.

  • 3 Volker Maibaum // Okt 28, 2009 at 09:42

    Hallo Steffi, ich wünsche Euch ein freudiges Wiedersehen heute vormittag und hoffe, dass auch auf den letzten Meilen alles gut geht. Schade, dass die Organisatoren so sehr “Pause” gemacht haben, dass die Kurse nicht mehr aktualisiert werden - aber das kennen wir ja von anderen Races auch.
    Liebe Grüße von den Thüringern

  • 4 Claudia Koch // Okt 28, 2009 at 10:05

    Lieber norbert, gleich hast Du’s geschafft. Für die letzten Seemeilen drücken wir nochmal fest die Daumen!
    Herzlichen Gruß an Dich und Deine wunderbare Steffi von Udo + Claudia

  • 5 Hanni Mertes // Okt 28, 2009 at 15:42

    Ich schau jede Stunde vorbei:-))))
    Gleich ist es geschafft*!!!*
    Ich wünsche Euch ein frohes Wiedersehn und möchte mich noch für die wirklich tollen Informationen bedanken!!!
    LG HANNI

  • 6 Wolfram Heibeck // Okt 28, 2009 at 19:31

    Hallo Norbert,
    nun sind schon die ersten Bilder von Deiner Anreise zum Hafen im Netz und ich möchte gern der Erste nach Steffi sein, der Dir zu dieser großartigen Leistung gratuliert. Ich habe so oft es ging Positionen, Wetter und Berichte verfolgt.
    Ganz Toll!!!
    Grüße aus Hooksiel
    Wolfram

  • 7 Rainer u. Inge Schliski // Okt 28, 2009 at 20:46

    Hallo Herr Maibaum,
    herzliche Glückwünsche zu dieser tollen Leistung.
    Unsere guten Wünsche, die Sie von der Kaimauer in Funchal kurz vor dem Start mitgenommen haben, ließen uns in den letzten Wochen in unseren Gedanken und beim Tracking mit Ihnen über den Atlantik reisen. Es war spannend. Vielen Dank

  • 8 Heidi Klee // Okt 28, 2009 at 22:32

    Bravo Norbert!
    Es ist Dir gelungen Deinen Traum zu verwirklichen!
    Die sportliche Herausforderung des Transat 2009 hast Du mit Coconut run bravourös bewältigt!
    Wir gratulieren Dir ganz herzlich zur erfolgreich absolvierten Regatta!
    Liebe Grüße vom Rhein über den Atlantik von der Klee-Familie

  • 9 Philipp Reinke // Okt 29, 2009 at 09:46

    Willkommen auf dem Festland,

    herzlichen Glückwunsch zu dieser Meisterleistung. Bin schon ganz gespannt auf Deine Berichte.

    Komm´ gesund wieder nach Berlin.
    Hammerharte Leistung!

    Lieben Gruß,
    Phil.

  • 10 Claudia Koch // Okt 29, 2009 at 11:39

    Lieber Norbert, wir sind glücklich, dass Du das große Abenteuer erfolgreich überstanden und endlich wieder festen Boden unter den Füßen hast. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner grandiosen Leistung! Erhol Dich gut, feiert dann brasilianisch ausgelassen Deine sichere Landung in Bahia und komm mit Steffi wieder gesund nach Hause!
    Viele Grüße von Sarah, Udo und Claudia

  • 11 Christoph // Okt 29, 2009 at 13:14

    Super Norbert! Meine allerherzlichsten Glückwünsche zu deinem Zieldurchgang.
    Es war schon imponierend mit welcher Hartnäckigkeit du allen Widerständen getrotzt und deine Träume realisiert hast.
    Genieße Brasilien und trink einen Caipi für mich mit!
    Viele Grüße aus Fornells/Menorca
    Christoph S.

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