Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Ein Tag am Äquator

Oktober 19th, 2009 · 1 Comment · Transat 6,50

für den Führenden der Protowertung, Thomas Ruyant (667), der als erster im diesjährigen Transat 6,50 am Sonnatg, den 18. Oktober 2009 die imaginäre, rund 40.075 Km lange Linie, die den Globus in der Mitte zwischen den Polen umspannt und die Nord- von der Südhalbkugel trennt, überquert.  Er verläßt damit die Nordhemispäre und die im Rennverlauf abnehmenden nördlichen Gradzahlen, um ab sofort bei seinen Positionsangaben aufsteigende Südgrade zu verzeichen. Für ihn steht die Welt jetzt auf dem Kopf.

Die Äquatortaufe hatte Thomas bereits vor zwei Jahren hinter sich gebracht. Diese alte Seemannstradition sieht für denjenigen, der bei einer Passage von Norden nach Süden zum ersten Mal die magische Linie überquert eine Zeremonie vor, bei der der Täufling von einem verkleideten Neptun und seinem Hofstaat, vom Schmutz der Nordhalbkugel gereinigt wird und mit einem Spitznamen versehen wird, bevor er die südliche Halbkugel betritt. In Frankreich wechselt der Spitzname mit der Anzahl der Äquatorüberquerungen und so können sich u.a. nach zweifacher Passage auch Bertrand Delesne (754) und Stéphane Le Diraison (679) “Chevalier” (Ritter) nennen und jene wie Olivier Avram (618) oder Fabien Despres (617) nach dem dritten Mal “Dignitaires” (Würdenträger).

Während der Großteil der Miniflotte noch mit den Tücken der Kalmen zu kämpfen hat, sind diejenigen, die diese instabile Zone bereits verlassen konnten auf konstante Süd bis Südostwinde gestossen und machen wieder gute Fahrt. Ihre Gedanken richten sich bereits auf den nächsten Wegepunkt der Regatta: Fernando da Noronha, dem dritten Archipel vulkanischen Ursprungs auf der zweiten, 3100 Meilen langen Etappe. Die aus 21 Inseln bestehende, brasilianische Inselgruppe liegt ungefähr 350 Kilometer vor dem nordostbrasilianischen Festland.

Bis zur letzten Positionsmeldung heute Abend haben 4 weitere Skipper ebenfalls den Äquator überquert. Unterdessen gibt es auch weniger erfreuliche Nachrichten zu vermelden. Der Neu-Kaledonier Antoine Rioux (736) hatte bereits am Samstag durch das Drücken des roten Knopfes auf seiner Inmarsat-Funkbake der Regattaleitung signalisiert, dass er ein schwerwiegendes Problem an Bord hat und Unterstützung benötigt. Kurz nach dem Signal dreht das Begleitboot “Solo” um und nimmt Kurs auf Antoine. Der Bruch eines Schwertes seines Protos hat einen gravierenden Wassereinbruch zur Folge. Zunächst wird eine provisorische Reparatur versucht, die jedoch die 600 Meilen bis zum nächsten Festland nicht übersteht und schon nach wenigen Meilen erneut kaputt ist. Antoine bleibt nichts anderes übrig, als das von ihm für dieses Transat selbst gebaute Boot endgültig aufzugeben und als Mitsegler auf dem Open 60 “Solo” anzuheuern. Eine schwere und deprimierende Entscheidung ohne Alternativen.

Damit verbleiben am 14. Tag auf See 79 Minis im Rennen, denen der atlantische Ozean auf den 650 Kilometern, über die sich das Feld erstreckt, sein kontrastreiches Gesicht offenbart. Die Feldspitze segelt unter blauem Himmel und angenehmen 15 Knoten aus südsüdöstlichem Sektor. Das Hauptfeld bewegt sich langsam aus Wetterwechselspiel, während das Feldende voll in dessen Einflußbereich mit Gewittern, Flauten, Wasserhosen und 360° Winddrehern gerät.

Die Classements sahen am 18. Oktober 2009 um 15:00 Uhr folgendermaßen aus:

Protos (32 Boote im Rennen):

1. Thomas Ruyant (Faber France) 667: 897,49 Meilen zum Ziel
2. Henri-Paul Schipman (Maisons de l’avenir Urbatys) 716: 28,85 Meilen zum Führenden
3. François Cuinet (Plan Jardin) 412: 39,44 Meilen zum Führenden
4. Stéphane le Diraison (Cultisol-Marins sans frontières) 679:  67,25 Meilen zum Führenden
5. Bertrand Delesne (Entreprendre Durablement) 754: 69,62 Meilen zum Führenden

Serienboote (47 Boote im Rennen)

1. Francisco Lobato (ROFF TMN) 607: 1029,68 Meilen zum Ziel
2. Charlie Dalin (Cherche Sponsor-charliedalin.com) 435: 21,09 Meilen zum Führenden
3. Ricardo Apolloni (Ma Vie pour Mapei) 426: 29,09 Meilen zum Führenden
4. Fabien Sellier (Surfrider foundation) 483: 45, 54 Meilen zum Führenden
5. Antoine Debled (RegionsJob.com) 455: 62, 84 Meilen zum Führenden
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21. Andreas Lindlahr (Umpalumpa) 682: 132,23 Meilen zum Führenden
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46. Norbert Maibaum (Coconut Run) 338: 386,10 Meilen zum Führenden

Leider gibt es von offizieller Seite erneut nur Informationen über zwei Extreme: Die Feldspitze und Rennabbrüche. Das Haupt- und Endfeld bleibt informationstechnisches Niemandsland. Ich begnüge mich also mit dem Wissen, dass Norbert auf Grundlage der Positions- und Geschwindigkeitsangabenauf einem guten Weg ist und von gravierenden Problemen verschont geblieben ist und wünsche ihm weiter Gute Fahrt durch die Hexenküche des Pot au Noir. Bon vent !

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1 response so far ↓

  • 1 Heidi Klee // Okt 19, 2009 at 11:03

    Auch wir wünschen Norbert jeden Tag aufs Neue gutes Vorankommen und halten fest die Daumen, dass das Material hält und er gut in Bahia ankommt!
    Danke an Stefanie für die schön geschriebenen Regattaberichte!
    Liebe Grüße aus Germersheim von der Klee-Familie

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