Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Letzte Nacht bin ich aufgewacht …

April 30th, 2008 · 1 Comment · Pornichet Select 6,50 Ed. 2008, Qualifizierung Azoren-Race, Qualifizierung Transat 6,50, Segel GER338

weil ich dachte meine Finger würden gleich platzen. Die Kühlung unter dem Wasserhahn tat gut. Aber schon 2 Minuten später war wieder dieser Druck wieder da. Gut zu wissen, dass das Blut zurück fließt und meine Hände nach 4 Tagen und 3 Nächten da draußen noch nicht abgestorben sind.

Bei meinen „Bewegungsübungen“ heute: Das-Halten-von-Messer-und-Gabel und Am-Tisch-sitzen ist die Kellnerin dann einige Male über meine ausgestreckten Beine gestolpert. Ich konnte ihr leider nicht erklären, das es für meine Knie ein kleines Geschenk war, nicht mehr die verkeilte Haltung im Cockpit ertragen zu müssen.

Hier nun also der Bericht zum Pornichet Select 6,50

Kurskarte des Pornichet Select

Der Kurs: Es geht von Pornichet aus gegen Uhrzeigersinn um die Belle Ile , dann runter und an Ile d´Yeu und Les Sables d´Olonne vorbei zu Ansteueungstonne von Bourgenay, wieder zurück und hoch um Ile de Groix mit Rundung im Uhrzeigersinn und dann zurück nach Pornichet. Länge 300sm. Ausgeschrieben für SOLO mit Mini 650.

Nach einer Steuermannsbesprechung am Starttag die komplett auf französisch abgehalten wurde, gab es eine Liste, wann die Boote jeweils zum Start raus geschleppt werden sollten. Ich hatte Glück und brauchte erst um 13.00 fertig sein. Die ersten Boote mussten bereits zwei Stunden vorher raus.

Bis dahin allerdings kamen dann doch nochmal die Regelwächter und verplompten meine Rettungsinsel mit dem Boot, damit diese nicht an einen anderen Platz während dem Rennen gestaut werden kann. Etwa 10min vor meinem Schlepp kam dann tatsächlich auch noch die Escorte vom lokalen Hafenmeister und wollten mein Liegegeld kassieren… Auf meine Frage, ob wir das nicht nach dem Rennen erledigen könnten, wurde mir die Kette angeboten (Anmerk.: „ohne Worte“). Irgendwie habe dann aus einem Drybag ganz unten noch mein Portmonee gefunden und hatte wirklich glücklicherweise noch Euro in Bargeld drin.

Damit waren dann auch wirklich die letzten Hürden für meinen Start genommen:)

Verwundert hat mich, dass statt der in den Race Insructions beschrieben Ankündigung bei 8 min. es tatsächlich eine 15 min Ankündigung gab. Ich kannte bisher nur 6 oder 5 min Ankündigung.

Flaute vor dem Start zum PornichetSelect650 2008.JPG

Flaute vor dem Start

Trotzdem ein guter Start mit gutem Wind. Ich blieb in der Mitte der Linie und hatte damit auf jeden Fall freien Wind und die Entscheidung für jede Seite offen. Bin dann auch gut von der Linie weg gekommen und war unter den 10 vorderen Booten. Am Ende der Kreuz zur ersten Tonne schlief der Wind allerdings komplett ein, so dass reines Glück war wie schnell um die Tonne gedriftet wurde. Ich schaffte etwa als zehnt letzter… Der letzte hatte Pech und bewegte sich etwa noch mehr als 30min im Strom direkt vor der Marke, bevor der Strom ihn um die Tonne brachte. Anschließend 5sm Kreuz zur Downwind-Tonne bei der ich wieder etwas aufholte, da ich meine immer Schläge weit raus fuhr. Unter Land war anscheinend weniger Wind. Der erste Spischlag mit einer Länge von 5 Meilen kam mit dem neuen großen Spi und dem neuen Spi-Baum.. Das funzt!! GEIL!!

An der nächsten Tonne war die Show unter Land vorbei und der Kurs ging nun wirklich los. Das Feld war auf Grund von Flaute und Strom allerdings schon sehr weit auseinander gezogen.

In der ersten Nacht fanden sich alle in der großen Flaute östlich der Belle Ile wieder zusammen. Es war nervenaufreibend und unglaublich. Bei 0,1 kn Wind, habe ich mich über den Strom gefreut der mich mit bis zu 0,8 kn in die richtige Richtung versetzt hat. Und das mehrere Stunden lang. Etwa gegen 5 Uhr morgens wurde dann eine Brise langsam stetig, so dass das Rennen damit fast ein zweites Mal startete.

PornichetSelect650, nach der ersten Nacht immer noch in der Flaute

Diese Flaute auch noch am morgen nach der ersten Nacht des Rennens

Wir waren angehalten täglich zweimal (7.00 Uhr morgens und 3.00 Uhr nachmittags) unsere Positionen zu notieren und bei dem anschließenden Rundruf durchzugeben. Der Rundruf am ersten Morgen war allerdings auch der einzige der mich erreichte.

 Letzte Nacht bin ich aufgewacht ...

Auf dem Weg zu ersten Rundmarke (Birvideaux, nördlich der Belle Ile) zog eine dicke Nebelwand vorbei und plötzlich gab es gab eine Gewitterwarnung über Funk. Das Gewitter zog nah, aber glücklicherweise doch vorbei.

PornichetSelect650, nach der ersten Nacht immer noch in der Flaute

Birvideaux, nördl. Belle Ile, achteraus

Für die erste längere Strecke (75sm) von Birvideaux außen an der B.Ile vorbei, außen an der Ile d´Yeu bis runter nach Les Sables hatte ich mir die erste Ruhepause vorgenommen. Nach meiner Standort-Pflichtmeldung an der Semaphore Belle Ile habe ich mir dann zum ersten mal für 15 min einen Kurzschlaf unter Deck gegönnt. Als ich danach rausblickte kamen die Boote hinter mir alle an mir mit großem Spi vorbei gerauscht. Ich war nach meinem Schlaf wieder fit und bereitete den Spi ebenfalls vor. Beim setzten knickte jedoch beim Vorziehen vom Tack der Spibaum-Hole-Hebel ab, der Spi kam unter das Boot und ging fast komplett ins Wasser! Das passierte in Sekunden, dann …

… Segel auf, Schoten ab, Tackleine ausrauschen lassen und langsam Stück für Stück gezogen. Das Ende war leider inzwischen um das Ruderblatt gewickelt. Und dieses habe ich nicht abbekommen, das es genau unter dem Scharnier eingeklemmt war. Den Spi im Cockpit liegen lassen für den Rest des Kurses? Es waren inzwischen fast 2 Stunden vergangen in den ich nur gedriftet bin. Ich habe schweren Herzens das Messer benutzt. Einige Nähte waren bereits auch im Wasser geplatzt. Mir war zum heulen..

 Letzte Nacht bin ich aufgewacht ...

Spibaum futsch, großer Spi hin, weiter bei zunehmenden Wind in Richtung Les Sables. Am Horizont sah ich bei beginnender Nacht noch einen Mini am Horizont und dann erst wieder einige Topp-Lichter als gegen 4.30 ich in die Bucht von Les Sables einbog. Damit nahm aber auch der Wind auf 3-7 kn ab. Nur diese unangenehme Welle blieb stehen und mir wurde etwas schlecht. Ein paar Minis kamen mir ca. 1Stunde vor der südlichen Marke Ansteuerungstonnen Port Bourgenay entgegen.

Zurück vorbei an Les Sables wurde der Horizont in kurzer Zeit dunkel und es kam eine Schauerboe. Ich band Reff2 ins Groß und nahm die Fock für die Böe ganz weg. Anschließend Reff in die Fock. Aus der einen Böe wurden dann immer mehr und längere. Um die Ile d´Yeu zu schaffen musste einige Schläge machen, weil ich die Höhe nicht direkt anliegen konnte. Das hatte aber auch den Vorteil einer kleinen Landabdeckung südlich der Insel – und damit weniger Welle zu haben.

Das gefiel mir so gut, das meine Entscheidung für die Innenseite der B.Ile getroffen war. Positiv vor allem auch, weil ich damit kalkulierte ohne weitere Wende bis nach Groix zu kommen: Bisschen mehr Tiefe für östlich Belle Ile, dann rechtzeitig in der dortigen Abdeckung wieder hoch an den Wind um Groix anzulegen. Und es klappte auch genau so.

GER338 unter Autopilot

Das aufräumen des Cockpits hilft gegen die Müdigkeit, aber trotzdem sieht es immer schnell wieder wie hier aus. Der Autopilot steuert das Boot allein.

Ärgerlich waren die ganze Zeit im Reff2 die vertörnten Backstagen hinter dem Kopf des Großsegels, was mit dem neuen Groß und dem 1,30 m Square -Head gegenüber dem alten Segel nicht besser geworden ist. Ich hatte exrtra am morgen vor dem Stag ein zusätzliches neues Gummi zum zurückziehen jeweils des anderes Stages angebracht, was das Problem in Reff 2 auch nicht behob.

Nördlich der Belle Ile bließ der Wind inzwischen am oberen Ende der 30kn: und die Welle wurde je näher ich an Groix heranfuhr immer höher. Plötzlich befand ich mich auf einer unglaublich hohen Welle genau nördlich von Groix!! So eine große See kannte ich bisher nur aus Surfvideos. Riesig!! Masthöhe…

Auf dem Weg zurück dann wieder das Knallen des Rumpfes auf die Wellen. Es tut mir jedesmal Weh, wenn Coconut Run so hart arbeiten muss.

Da der Wind nicht weniger wurde und nutzte ich einen kurzen Moment der die Fock ganz weg zu nehmen und wollte die Storm-Jib setzten. Was mir nicht gelang. Das Schäkel war nicht richtig eingepickt, so dass ich dass Fall ohne das Segel hochzog.

Versuche mit Fock und Spifall schlugen fehl, weil die Lazy-Jacks abgerissen waren und nun in den Fallen hingen und in 8m Höhe damit vertörnt waren.

Etwa 12 Meilen vor dem Ziel kam eine Wetterwarnung über Funk, dass in dem Gebiet in dem ich mich befand 45 kn Wind genau für diese Zeit vorhergesagt waren… Ich dachte: “Gut. Danke für diese Information. Aber ich muss nun dadurch, wenn ich ins Ziel will.”

Ich versuchte dann 1 Stunde der Rennleitung über Funk mitzuteilen, dass ich im “Anflug” bin. Was wirklich nach einer Stunde gelang. Auf CH9, Pornichet Secu meldete sich der Wettfahrtleiter bei mir und bestätigte, dass ich mich ein Boot empfängt. Jahh!!!

Die Ziellinie finden und nicht aufs Riff oder die Steine fahren… Zum Glück war es noch hell und ich kam sicher zum Ziel.

Ich ging glücklich als 26ster gestern Abend um 19.45 Uhr über die Ziellinie.

Heute stellte sich heraus, dass überhaupt nur 28 der gestarteten 55 Boote das Ziel erreicht hatten.

 Letzte Nacht bin ich aufgewacht ...

Ich bin ins Ziel gekommen. Und freue mich darüber genauso wie über die anschließende Dusche nach Tagen im Trockenanzug …

Schäden:

Gr- Spi kaputt, Bugkorb lose, Schwenkbaum System beschädigt, Lazy-Jacks abgerissen,

Eine Latte des Großsegels hatte sich nach vorne durch die Lattentasche gebohrt. Sie stand damit über der ersten Saling nach vorne heraus und ich wußte nicht, ob ich das Groß runter bekommen würde.

Gelernt:

Ich hatte zuviel zu essen dabei. Bin aber mit dem Schlafen gut zurechtbekommen.

Unter Deck habe ich alles in allem ca. 2 Stunden geschlafen.

Ich weiß nun wie ich den Spibaum nicht bedienen sollte… ;-)

Und ich habe mir vorgenommen die wichtigen Vorbereitungen VOR dem nächsten zu machen.

Die Competition:

Als direkte Konkurrenz habe ich vier Pogo1 am Start gesehen. Die anderen Serienboote waren eine Mistral 6,50 und der große Rest der Serienboote waren Pogo2.

Für die harten Wetterverhältnisse da draußen bin ich mit meiner Pogo1 sehr zufrieden und ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst, dass das Boot nicht durchhält.

Ich habe 365 sm über Grund geloggt und ich bin sehr glücklich die ersten 300 sm für meine Qualifikationen gesammelt zu haben.

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1 response so far ↓

  • 1 nadine // Mai 2, 2008 at 19:08

    ein toller bericht *) schön, dass es trotz der teilweise harten bedingungen so gut geklappt hat & du heil wieder da bist! und es geht direkt weiter?! - hab gerad mit steffi geplauscht.. viel spaß! und komm wieder gut an land an. bis dahin..

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