Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Pornichet Select 6,50 - 2009: Bericht Teil 3 - Das Rennen

Juni 21st, 2009 · 1 Comment · Pornichet Select 6,50 Ed. 2009, Qualifizierung Transat 6,50

Schon in dem 5-Seemeilen-Abschnitt zur ersten Luvtonne kommen Einige der Segler zurück, da Sie auf dem Weg aus der Bucht eine Tonne falsch passiert haben und nun in der korrekten Weise passieren müssen - etwas Glück für mich, denn die Ersten sind damit wieder hinter mir. Ich habe mich etwas von meinem Schock des Zusammenstoßes beim Start erholt und versuche an das Feld ranzufahren - um die Tonne herum bin ich jedenfalls nicht der Letzte des Feldes.

Jetzt geht es nochmal zurück, um zuerst eine “Hole”-Tonne zu nehmen, bevor der eigentliche Kurs beginnt. Als es für mich soweit ist, bin ich froh, dass ich trotz des Schadens weitergefahren bin.

Ich komme gut voran. Bereits in der Nacht - in diesem Jahr -  erreiche ich Birvideaux Lighthouse. Letztes Jahr gab es auf diesem ersten Weg eine riesige Flaute und ich kam erst am Mittag des nächsten Tages an.

Es ist stockdunkel. Ich will etwas Abstand vom ankernden Markboot halten. Aber genau als ich den Leuchtturm passieren will, fahre ich auf Etwas auf und hänge fest … wahrscheinlich eine Fischerboje. Ich falle sofort ab und komme nach kurzer Zeit wieder frei. Leider habe ich wertvolle Strecke verloren. Aber ich bin rum und nun geht es mit südlichem Kurs weiter. Außen herum die Belle Ile passieren. Der Strom setzt für uns immer noch in die richtige Richtung (also ebenfalls südwärts) und wir kommen gut voran. Am Morgen sind wir vorbei und ich gönne mir - in der Gewissheit, dass das Rennen noch anstrengender wird - in dem kommenden landfreien Kursabschnitt nun etwas Schlaf. Mehrmals verschwinde ich für 12 min unter Deck - zwischendurch halte ich immer für einige Minuten Ausblick. Wir erreichen die Ile de Yeu, passieren und noch ein Stück weiter südlich biegen wir endlich in Richtung Port Bourgenay ein. Am Horizont erkenne ich bereits einige Segel - die in die andere Richtung auswandern. Etwas später passieren uns auch direkt einige der anderen Teilnehmer auf Gegenkurs.

Der Wind hat inzwischen gut aufgefrischt. Ich stelle fest, dass ich zur Tonne viel zu hoch bin und falle nun ordentlich ab. Wir runden die Tonne mit einer Halse und treten auf einem Am-Wind-Kurs den Rückweg an.

Ich werde über Funk gefragt, ob ich die brasilianische Teilnehmerin Isabelle Pimentel unterwegs gesehen habe oder Funkkontakt mit ihr hatte. Ich muss die Frage verneinen.

Einige Zeit nachdem ich die Marke gerundet habe, verlässt auch das Markboot seine Position und segelt los. Sollte ich wirklich das Schlusslicht des Feldes sein? Isabellel jedenfalls scheint noch nicht hier an der südlichen Marke gewesen zu sein… Dann, etwa eine Stunde später sehe ich Ihren roten Spi. Sie fährt auf die Tonne zu und versucht über UKW-Funk das Race-Commitée zu erreichen. Die sind aber schon aufgebrochen… Trotzdem scheint noch jemand an Land die Rundung von Isabelle zu zeiten und wünscht ihr einen gute Nach-Hause-Kurs.

Der Wind nimmt weiter deutlich zu. Ich denke mir: Dieses Spiel kenne ich doch vom letzten Jahr…

Es geht wieder außen, d.h. westlich, an der Insel Ile de Yeu vorbei. Nun natürlich nach Norden- Wir segeln bei weiter zunehmenden Wind in die Dunkelheit. Die Nacht vergeht ohne Stress mit Fischerbooten, denen ich nicht zu Nahe komme vorüber. Am nächsten Morgen pustet es mit um die 30 Knoten. Immer wieder ziehen schnell Schauerböen auf - in denen noch mehr Wind steckt. Ich reffe immer wieder bis aufs zweite Reff.

Ich habe die Wahl die Insel Belle Ile westlich (außen) oder östlich (innen) zu passieren. Wie es so ist: Momentan kommt der Wind fast direkt aus 350 Grad. Mein Kurs wäre natürlich ebenfalls 350 Grad…

Der Wind dreht weiter nach Westen und frischt weiter auf. Ich entscheide mich deshalb die Belle Ile innen zu passieren. Das passt soweit auch gut und in der Abdeckung der Insel habe ich etwas Schutz vor der starken See, die dauernd heran läuft. Aber dann kommt es plötzlich ganz dick: Ich schaffe es gerade noch schnell aufs Vordeck um die Fock zu reffen. Ich bin ca. 1,5 Meilen östlich der Insel und es pustet und regnet nun so stark, dass die Insel komplett verschwindet… Es ist als wäre Nebel um mich herum… Das ganze Schauspiel dauert so ungefähr 45 min. Während dieser Zeit fahre ich nicht zu hoch, so dass ich mit 7 Knoten nach Norden rausche:-) Der Wind lässt nach und kommt nun auch aus ca. 345 Grad… in diese Richtung muss ich auch genau um die Insel Groix nördlich zu runden! Es wird eine lange Kreuz. Mir kommen - in Rauschefahrt mit Spi oben - die ersten Boote des Feldes entgegen… Auf diesem letzten Schenkel wäre ich auch gern bereits.

Es dauert 10 Stunden bis ich Groix erreiche, bei ca 30 Knoten Wind und in finsterer Nacht. Die Passage nördlich der Insel ist ca. eine Meile breit. Links und rechts liegt eine Vielzahl von Steinen. Aber es funktioniert gut. Wir fahren in die schmale Passage auf diesem Bug soweit es geht und legen dann um. Nur ausreichend auf die Tonnen achten!

Der Rückweg wird vergleichsweise angenehm. Es wird langsam hell und ich habe die Sicherheit, dass ich die 40 Meilen bis zum Schließen der Ziellinie gut schaffe: Wenn nichts bricht!

Ab 6 Uhr fängt der Wind an einzuschlafen. 10 Knoten…8 Knoten. Ich habe noch 6 Meilen bis zur Ziellinie. ..7 Knoten Wind. Als es noch drei Meilen bis zum Ziel sind, aber ebenso wenig Wind werde ich über Funk von der Küstenstation gerufen, die mich wahrscheinlich in Richtung Pornichet schleichen sieht. Funkkontakt. Dann meldet sich das Race-Commitée: Ich werde am Ziel abgeholt. Ein gute Nachricht für mich, denn die 5 Meilen nach dem Ziel über die Bucht würden bei dieser Geschwindigkeit vielleicht noch einmal weitere zwei Stunden dauern.

Ich merke wie müde ich wirklich bin. Ich sehe die Tonnen zum Eingang der Bucht: Das Ziel! Konzentration. Ich passiere. Es ist 9:38 Uhr. Wunderbar! Ich fühle mich großartig! Ich belohne mich sofort mit einer Tafel Schokolade. Mir kommt ein Schlauchboot entgegen: “Bravo, Norbert!”, “Qui, Merci!”.

Am nächsten Tag gibt es die Siegerehrung.

Pornichet Select 650 2009 Prize Giving

Die Gewinner bei den Serienbooten sind:

1 Xavier MACAIRE, 472, Masoco Bay
2 Riccardo APOLLONI, 426, Ma vie pour mapei
3 Amaury FRANCOI, 697, Groupe qualitel

PornichetSelect650 2009 winner series

Die Gewinner bei den Protos sind:

1 Thomas RUYANT, 667, Faber France
2 Henry-Paul SCHIPMAN,716, Maisons de l’avenir - Urbatis
3 Olivier AVRAM, 618, Cap Monde

Und dann kommt für mich das Unglaublichste: Der Wettfahrtleiter erzählt etwas von einem “Special Prize this year”! Und er sagt: “Norbert Maibaum”. Alle Anwesenden kucken zu mir… Wow! Das ist echt!

Mit Applaus nehme ich den Preis für den Teilnehmer, der am längsten auf See war entgegen:

“Norbert, because you were so long out there, you must love the sea very much!”,

NorbertMaibaum PornichetSelect650 2009

“Merci a tous!”. Das Pornichet Select 6,50 2009 war ein spannendes und hartes Rennen und ich habe es gefinished ! :-)

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1 response so far ↓

  • 1 Christian "Eddie" Dost // Jun 23, 2009 at 07:50

    Nochmal Gratulation und vielen Dank fuer den spannenden Bericht!

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