Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Les Sables - Les Açores (Etape 1) - Bericht

August 30th, 2008 · 1 Comment · Azoren-Race, Qualifizierung Transat 6,50

Gleich nach dem Start musste ein Parcours in der Art eines Dreieckskurses direkt vor Les Sables gesegelt werden. An der Lee-Tonne war es dann notwendig mit einer Halse den großen Spi auf die andere Seite zu bringen. Das Manöver klappte bei mir gut, aber dann rutschte der Spinacker-Baum (Bowsprit) wieder zurück auf die alte Seite - eigentlich kein Problem - aber es kam Druck ins Segel und - die Gabel mit der der Bowsprit zurückgeholt wird brach mit einem lauten Knall ab. … Ok, ich nahm den Spi runter und fuhr nur unter Genua zur letzten Wendemarke vor dem Kurs Richtung Azoren.

Mit so reduzierter Geschwindigkeit war bereits zu Beginn des Rennens nur noch ein Boot hinter mir…

LesSables_LesAcores_Startpahse

Da die Gabel bereits zum Beginn der Saison (beim Pornichet Select) einmal gebrochen war hatte ich vorgesorgt und nun für diesen Fall eine Ersatz-Gabel an Bord, die ich später in der ersten Flaute montierte.

Bis dahin gab es jedoch einen Am-Wind-Kurs in Richtung der spanischen Küste. Ich segelte nur wenige Stunden hinter meinem Routing, das mir genau diese Richtung vorgab. Etwa 30 Stunden ging das gut, dann ging nichts mehr: Flaute!

Nach der Flaute stimmte die Realität mit dem Routing nicht mehr überein: Windrichtung und -stärke kamen komplett aus einer anderen Richtung als die Vorhersage. In der täglichen Radiosendung der Wettfahrtleitung, die über Monaco Radio ausgestrahlt wurde waren für die kommenden 24 Stunden Böen mit 35-45 Knoten angekündigt. Ich hatte Coconut Run in der Flaute jedoch gut sortiert und hatte selbst keine Schwierigkeiten, d.h. ich hatte ausreichend geschlafen und gegessen. Gegen Mittag fing der Wind an aufzufrischen. Wir wechselten von der Genua auf die Fock.

 Les Sables   Les Açores (Etape 1)   Bericht

Dann folgende Reihenfolge beim Reffen: 1. Reff Groß, 2. Reff Groß, dann ging die Anzeige auf dem Wind-Display bereits hoch auf 28 Knoten. Ich entschied mich dafür direkt auf die Sturm-Fock zu wechseln - ohne den Zwischen-Schritt über die gereffte Fock. Diese Entscheidung hat mir einiges an Arbeit erspart und es zeigte sich, das der Wind so schnell zunahm, dass ich bald nach dem Wechsel auf die Sturm-Fock auch das 3. Reff in das Groß steckte. Diese Konfiguration blieb dann einen ganzen Tag, d.h. 24 Stunden oben. Wieviel Wind es dann genau gab kann ich nicht sagen, da ich mir angewöhnt habe bei etwa 32-34 Knoten die Tür zum Niedergang zu schließen. Ebenfalls habe ich die Windmess-Instrumente abgeschaltet, um Strom zu sparen: Volle Batterien sind mir wichtiger als korrekte Windzahlen.

Später habe ich über Funk erfahren, dass NOR 496, der ganz in meiner Nähe segelte, 43 Knoten auf seinem Display sah.

Nach diesem vielen Wind reffte ich nur langsam wieder aus: 2. Reff Groß, gereffte Fock. Langsam immer mehr Tuch bis ich irgendwann wieder das volle Groß und die Genua oben hatte.

Technische Schwierigkeiten hatte ich keine. Der elektrischen Autopilot steuerte die überwiegende Zeit. Die
Batterien wurden mit dem neuen, noch vor dem Rennen angeschafften Generator aufgeladen: 1 Stunde laden alle 2 Tage war absolut ausreichend.

Am 11. Tag sollte der Wind laut dem täglichen Radio-Broadcast nochmals zulegen. 25-35 Knoten in Böen. Die hatte ich auch, allerdings mit einer unangehm kurzen Welle. Ich saß auf der hohen Kannte und plötzlich versagte der Autopilot: “Licht aus”. Ich steuerte nun selbst. Aber immer sobald ich die Pinne in der Hand habe, bekomme ich Durst und Hunger oder muss unbedingt den Kurs kontrollieren. Ich schaffe aber es die Pinne zu fixieren und Reffe Fock und das Groß: “Gut, viel besser jetzt”.

Ich melde mich über UKW-Funk beim Begleitboot und melde meine Schwierigkeiten mit dem Autopilot. Durch den Dauerregen ist unter Deck alles Nass und ohne den Regen von oben Stelle ich fest, dass auch ich inzwischen total durchgeweicht bin. Das Wechseln der Sicherung für den Autopiloten mit Nassen Fingern war ein sinnloser Versuch: Ich muss versuchen den zweiten Autopiloten zu aktivieren. Damit hatte ich nicht gerechnet und ich bin sehr nervös. Immer wieder hatte im letzten Jahr Schwierigkeiten mit diesem Piloten und aus diesem Grund - nach Kalibrierung und Funktionstest zu Saisonbeginn - dass ganze Jahr auf die Nutzung verzichtet. Über Funk kam die Antwort: Du hast es bald geschafft und dann gibt es “Vacation”. Es sind noch 400 Meilen bis ins Ziel.

Unmöglich diese Zeit selbst an der Pinne zu verbringen. Ein flaues Gefühl in der Magengegend.
Ich schalte den 2. Autopiloten ein. Das sieht gut aus. Ich sitze lange Zeit in Bereitschaft neben der Pinne. Der
Pilot funktioniert gut. Keine unangekündigten Richtungswechsel. Kein selbstständiges “Kreise-Drehen”.
Wichtigste Aufgabe ist nun die Batterie-Spannung zu überwachen.

Mit dem hydraulischen Pilot wird es nun notwendig 2 Stunden am Morgen und am Abend den Generator laufen zu lassen. Es kommt das Gefühl an Bord eines Motorseglers zu sein bei mir auf. Aber das Wichtigste ist, dass alles kontrollierbar bleibt: Kein Bruch, ausreichend volle Batterien und so nähern wir uns den Azoren.

Nur noch 200 Meilen bis ins Ziel. Der Wind dreht, ich kann die Schoten fieren und dann sogar den Gennacker setzen. 8 Knoten, 9 Knoten.

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Es wäre möglich abends am 12.08. im Ziel zu sein. Der Wind steht die Nacht über durch. Am Morgen weniger als 150 Meilen bleiben. Dann nur noch 4 Knoten. Noch weniger 2 Knoten. 2 Stunen später bewegt sich nichts mehr. Nicht das Windrad im Masttopp, das Display bleibt bei der schrecklichen “00.0″.

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Keine Welle bringt uns voran. Spiegelglatte See. Blaues tiefes Wasser. Schlagende Segel. Ich mache einen Mittagsschlaf unter Deck, da es zu frustierend ist und einfach zu heiß. Nachdem ich an Deck komme versuche ich 338 wieder zu segeln. Unmöglich. Kein Wind.

Ein große Meeresschildkröte schwimmt in weniger als 10 Metern an uns vorbei. Immer wieder sehe ich auch
Rückenflossen in geringem Abstand. Die Fische selbst bleiben verborgen.

Das blaue Wasser ist unglaublich schön. Der Wind wird wieder einsetzen - aber wann?

Ich entscheide mich die Zeit zu nutzen und auf dem Vordeck zu duschen. Spät abends entwickelt sich eine 2 Meter Dünung aus Nord-West. Hin und wieder weht eine kleine Böe, die jedoch nach 2 Minuten wieder weg ist, so als hätte es sie nie gegeben. Hoffnung kommt auf. Acht Stunden und unzählige Wenden später, Segelwechsel von Gennacker auf Genua und wieder zurück, ist es möglich auf einem Am-Wind-Kurs Strecke nach Süden zu machen. Noch gute 100 Meilen. Der Wind aus Südwest bleibt beständig und ich muss mich entscheiden, ob ich Faial südlich oder nördlich anlaufen will: Umlegen, Gewicht umstapeln, 10 Minuten warten - Nord ist ungünstig. Dazu käme die Abdeckung der hohen Berge.

Die Entscheidung heißt: Wir bleiben südlich von allen Inseln und in freiem Wind. Damit lerne ich aber auch den “Kap-Effekt” kennen, der mich regelrecht ransaugt, und ich muss immer wieder lange Schläge nach Süden machen. Aber ich habe Wind, auch wenn es in der letzten Nacht eine lange Kreuz wird.

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Als ich Faial endlich sehe, nur 5 Meilen vor dem Ziel schläft der Wind, mit nur 5 Knoten, fast ein. Ich hole den
Gennacker an Deck. Ein letztes Manöver und ich kann den ETA auf unter 30 Minuten drücken. Ich kündige unseren Zieleinlauf über UKW-Funk bei der Regattaleitung an. Es kommt eine Antwort: “troi cent trent huit (338), ce bon!”

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Zodiacs kommen auf mich zugefahren, es ist unglaublich. Ich bin konzentriert und nervös, jetzt aufpassen: Da sind die Steine, auf denen vor 2 Jahren ein Boot kurz vor dem Zieleinlauf gelandet ist. Ich muss den Gennacker wegrollen. Noch zwei Wenden bis ich über die Linie bin.

GESCHAFFT: 14 Tage 05 Stunden 33 Minuten 50 Sekunden.
1583 gesegelte Seemeilen über Grund zeigt das GPS.

Eine wannsinnig gutes Gefühl diese erste Etappe und unglaublich lange Passage absolviert zu haben :-)

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1 response so far ↓

  • 1 deine Aushilfs-Crew // Aug 31, 2008 at 12:38

    Bonjour ihr beiden, wann kommt der zweite Bericht Azoren –> Les Sables (Etape2) zum Rennen ?

    Grüße, deine Aushilfs-Crew.

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