Norbert Maibaum - Mini Saison 2008 - Transat 6,50 2009

GER 338 - Coconut Run

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Transat 6,50 2009 - Etappe 2 (1): “Die einfachste Möglichkeit…”

November 24th, 2009 · Transat 6,50

.. sich einen ordentlich wilden Vollbart wachsen zu lassen - ohne gegenüber Beobachtern zwischendurch in Erklärungsnot zu geraten - ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Teilnahme an einer Einhand-Transatlantik-Regatta! Das wäre eine Erklärung, warum ich da draußen war… Fakt ist jedoch: Das MINI-Transat oder der offizielle Titel: “La Charente-Maritime/Bahia Transat 6,50″ hat mich aus einem mir selbst nicht ganz ersichtlichem Grund mehr als magisch angezogen: Ich wollte dabei sein. Unbedingt.
Und nun kann ich sagen: Ich war dabei! Zwei Etappen. Die Erste: 1100 Seemeilen, gesegelt in 8 Tagen und 17 Stunden von La Rochelle, Frankreich zur portugiesischen Atlantikinsel Madeira. Die Zweite: gesegelt in 25 Tagen und 1 Stunde von Madeira nach Salvodor de Bahia, Brasilien. Ein Segelboot mit einer Länge von 6,50 Meter. Es heißt “Coconut Run”. Darauf nur ein Mensch. Ich, Norbert Maibaum.

SOLO. NON-STOP. OHNE ÄUSSERE HILFE.

Bereits eine ganze Woche vor dem Start der zweiten Etappe am 3. Oktober geht es los: Irgendwie fangen alle an über das Wetter zu reden. Den Besten, dass heißt schnellsten Kurs für die 3200 Seemeilen nach Brasilien  zu finden ist das Ziel. Das vom Veranstalter aufgebaute Zelt, in dem sich der Teilnehmer-Bereich befindet, ist dauerhaft mit Skippern und Ihren Laptops gefüllt. Das zur Verfügung stehende WLAN ist langsam.. denn jeder will die aktuellsten Grib-Daten runterladen und seinen Kurs vorausberechnen.

Drei Tage vor dem Start wird es schlimmer. “What do you think about the weather?” höre ich immer öfter,  “Wenn du falsch fährst stehst du 2 Wochen in der Flaute!”. Ich bleibe ruhig. Zumindest versuche ich das! Der Start kommt näher und nun gibt es das offizielle Wetterbriefing der Wettfahrtleitung für alle Teilnehmer. Dies ist eine Art Geheim-Veranstaltung, denn es dürfen nur Skipper teilnehmen. Begleitpersonen sind schon hier nicht mehr zugelassen. Das Briefing wird mittels eines Live-Telefonats mit Meteo-Consult, einem französischen Wetterdienst abgehalten. Keine Frage: Ja, natürlich auf französich! Ich finde einen Platz in der Gruppe der englisch-sprachigen Skipper. Hier wird simultan - von Annabelle - der Sekräterin der Classe-Mini übersetzt. Gut. Das Live-Telefonat läuft natürlich parallel dazu… also: Viel Spaß!

T650 briefing meteo Madeira

Mein Telefonat mit Eddie, der mehrere Routing-Optionen für mich durch seine selbst programmierte Routing-Software stundenaktuell errechnet, findet gegen 23 Uhr am Abend vor dem Start statt. Fazit ist: Wind aus Süd. Für die kommenden 3 Tage. Jedenfalls bis zu den Kanaren. Kurs deshalb: 100 Meilen - aber nicht mehr als 200 Meilen - nach Westen. Dann nach Süden und: Westlich der Kanaren bleiben, dazwischen (also eine Passage durch die Kanarische Inselgruppe) geht auch… Dicht an der afrikanischen Küste wird es Landwind geben, auch wenn sonst Flaute herrschen sollte. Nach den Kanarischen Inseln wird der Wind drehen und der Nord-Ost-Passat einsetzen..

Für eine Wetterprognose von mehr als 5 Tagen im Voraus sinkt die Zuverlässigkeit übrigens extrem. Irgendwie gut, denn wenigstens das Wetter, die Tiefs und Hochs machen auch im Jahr 2009 noch was Sie wollen. Sie sind nicht manipulierbar. Betteln, flehen. Schreien und fluchen - nichts davon wird helfen - Bereits vor hunderten Jahren war es wohl dasselbe.

Die See und das Wetter, beides muss akzeptiert werden.

Beim Transat 6,50 ist es nicht erlaubt einen Rechner mitzuführen, um unterwegs mit aktuellen Daten ein neues Routing zu erstellen. Es hilft also nur der täglich einmal über Kurzwelle ausgestrahlte unter auf einem SSB-Empfänger eingehende Wetterbericht der Wettfahrtleitung.

Am 3. Oktober um 2009, gegen 12.45 Uhr werde ich - wie die anderen Teilnehmer auch - aus der Marina in Funchal geschleppt. Eben noch spreche ich mit zwei Berliner Urlaubern am Steg. Und dann: der Abschied von Steffi… Mindestens 20 Tage, sicher mehr, liegen zwischen unserem nächsten Wiedersehen…

Noch in der Hafeneinfahrt muss ich das Großsegel setzen, das Dinghi fährt zurück und holt bereits das nächste Boot. Halsen und allein raussegeln. Ich habe kein Wind und drifte im Vorhafen langsam auf die aufgeschüttete Steinmole zu… Ein anderes Dinghi erkennt die Gefahr und kommt mit Vollgas heran und schiebt Coconut Run ein ganzes Stück weiter in Richtung Hafenausfahrt. Merci! …Glück gehabt!

Draußen entscheide ich mich für die Genua als Vorsegel, anstellte der kleineren Fock. Es weht beständig mit mit 10-12 Knoten. Es wäre ganz gut, wenn das zum Start so bleibt.

Es bleibt so. Zwei Minuten vor dem Start befinde ich mich noch in Lee und in der Nähe vom Startschiff, nicht allzu viele andere Boote sind dort. Ich fahre die Linie hoch, schaffe es aber nicht genügend Höhe zu laufen. Das ist nicht gut! Einige andere Schiffe sind nun bereits “über”mir, so dass der Platz für eine Wende nicht mehr ausreicht. Ich fahre - viel zu tief - weiter die Linie entlang. Über UKW-Funk ist die ganze Zeit die Wettfahrtleitung aktiv - nun ist der Countdown zu hören. Ich habe bereits die andere Seite der Startlinie vor mir, und es ist klar, dass ich auf diesem Bug nicht mehr über die Linie komme. Ich peile die anderen Schiffe und sehe eine Möglichkeit umzulegen und auf dem anderen Bug nochmal 20 Meter auf die Linie zuzufahren. .. Ok, das passt, kurz hinter der Tonne lege ich wieder um, super! Ich bin genau in die freie Lücke zwischen Tonne und einem anderen Teilnehmer reingewendet. Aber ich habe nicht genug Fahrt und muss abfallen…und berühre auf der Backbord-Seite, kurz vor dem Heck die Tonne… Das ist nicht gut! Aber ich fahre weiter! Für den Augenblick bin ich froh über die Linie gefahren zu sein. 26 Tage später werde ich dieses Manöver bereuen…

Ein Stück westlich der Startlinie vor Funchal liegt eine weitere Tonne, die noch passiert werden muss, bevor der Kurs zur nächsten Kursmarke, einem “Tor” in den Kapverdischen Inseln, frei gewählt werden kann. Mit einigen Kreuzschlägen erreiche ich diese Tonne nach ca. 30 min. Bereits ab dieser Tonne bilden sich zwei “Gruppen” von Booten - die “Groupe Sud” - die als erstes einen suüdlichen Kurs wählen und die “Groupe Quest” die Boote die als erstes nach Westen fahren. Ich befinde mich in der West-Gruppe und muss feststellen, dass einige andere Boot sehr dicht unter Land gefahren sind und nun durch “Strömung” gefangen sind. Ich habe einen guten Abstand zur Küste und spüre die Strömung, komme aber deutlich voran.

Mit der Zeit setzt eine gemeine Welle ein, aufgrund derer ich mich dazu entschließe, nicht zu hoch zu fahren, sondern erstmal “mit Geschwindigkeit” nach Westen…

20 Stunden, ca. 100 Meilen, dann wende ich und segle in südöstliche Richtung. Zwei weitere Wenden bringen mich innerhalb von sehr anstrengenden dreieinhalb Tagen zu den Kanarischen Inseln. Ich schaffe es nicht etwas warmes zu essen oder zu trinken, die Menües bestehen aus Müsliriegel, Apfel und Wasser. Am dritten Tag merke ich bereits, dass ich abgenommen habe… Einen Wetterbericht habe ich bis jetzt nicht empfangen können. Das Am-Wind-Segeln bei diesem Seegang ist eine extreme Belastung für mich, das Boot kracht in jede Welle. Das schmerzt mich noch mehr. Den zweiten Tag habe ich dauerhaft mehr als 28 Knoten Wind, die Anzeige steigt aber nicht über 33 Knoten. Trotzdem fahre ich mit 2tem Reff und Sturmfock, 6 Knoten stehen immer wieder auf der Logge. Irgendwann merke ich, dass ich einen Zieher bekomme. Ich werde also zwischen den Inseln Teneriffa und La Palma durchfahren. Aber bis dahin liegt noch ein guter Tag vor mir…

… und ich stelle fest, dass der Lümmelbeschlag - die Befestigung des Großbaumes am Mast - beginnt sich aufzulösen. Bevor ich realisiere was passiert sieht das Deck aus als wäre eine Menge Öl darauf getropft… aber es sind Späne des Gußeisernen Beschlages…

T650_Luemmelbeschlag

T650_Luemmelbeschlag

Der Bolzen hat am Beschlag zu viel Spiel. Bevor der Beschlag sich komplett auflöst oder bricht bleibt mir nur alle Segel runter zu nehmen und eine Lösung zu improvisieren: Gedacht - und runter geht das Großsegel. Die Genua lasse ich doch besser stehen. Der Beschlag wird mit einem 10mm Bolzen gehalten und hat Spiel - leider zuviel. Ich habe eine passende Unterlegscheibe an Bord, jedoch nur mit einem 8mm Öffnung. Ich habe eine kleine Rundfeile und feile die Scheibe passend. Das dauert ca. eine halbe Stunde, dann nehme ich den Baum raus, den Bolzen raus, die Scheibe rauf und den Bolzen wieder rein. Eine zweite Scheibe passt nicht.. Baum wieder ran. Meine Hände sind schwarz: zuerst abschrubben und das Großsegel geht wieder hoch!

 Transat 6,50 2009   Etappe 2 (1): Die einfachste Möglichkeit...

Ich bin absolut alle! Aber der Schaden ist repariert. Es geht weiter, am Wind!

 Transat 6,50 2009   Etappe 2 (1): Die einfachste Möglichkeit...

Endlich, zwischen den Inseln gerate ich in eine Windabdeckung. Das ist nicht gut um dem Ziel entgegenzukommen aber ich kann mich zum erstenmal wirklich erholen.

T650 Norbert Maibaum

Ich habe Funkkontakt zu Maxsence (132) und erfahre, dass er einen technischen Stopp einlegen wird. Die Wolken verziehen sich und ich sehe den höchsten Berg Spaniens, den Pico del Teide, mit 3718m Höhe.

 Transat 6,50 2009   Etappe 2 (1): Die einfachste Möglichkeit...

An Steuerbord sehe ich La Palma. Ich genieße zum ersten Mal die zweite Etappe, auch wenn ich momentan kaum Fahrt mache. Die vier Tage seit dem zweiten Start in Madeira waren kraftzehrend und wahnsinnig anstrengend. Es war alles andere als angenehmes Segeln: Gegenan knüppeln, bei 28 bis 32 Knoten Wind.

 Transat 6,50 2009   Etappe 2 (1): Die einfachste Möglichkeit...

Die gesamte Ausrüstung unter Deck ist komplett nass. Ich räume alles raus, kann mich auch waschen und esse zum erstenmal seit 4 Tagen etwas Warmes…

T650 erstes warmes Essen

Ich komme momentan nicht besonderes voran, aber ich kann mich erholen und …

T650 Flaute Ausrüstung trocknen

die Ausrüstung trocknen…

T650 Flaute Ausrüstung trocknen

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25 Tage und 1h 13min 17s

Oktober 29th, 2009 · Qualifizierung Transat 6,50

sind eine ganz schoen lange Zeit allein auf einem kleinen Boot! Aber ich bin gestern um 14.17 UTC mit Coconut Run durchs Ziel in Salvador!

Ich bin super gluecklich, gesund und munter und ohne wirkliche Schaeden am Boot. Einen ersten Caipi und ein eis-eis-eiskaltes Cerveza gab es gestern Abend bereits :) Herzlichen Dank fuer alle Eure Glueckwunsche. Mein Bericht von Sonnenbrand, Regenflut und endlosem warten auf den “richtigen” Wind folgt…

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Hoehen und Tiefen

Oktober 28th, 2009 · Transat 6,50

liegen bei einer Regatta wie dem Minitransat sehr eng beieinander. Kaum haben sich die Sorgen um den Italiener Ricardo Apolloni (426) gelegt, tauchen neu duestere Wolken am Himmel auf. Ricardo war kurz vor dem Ziel einige Zeit vermisst. Geruechte verbreiteten sich, dass er noerdlich von Salvador gestrandet ist. Die ersten Nachrichten waren bedingt durch Sprachprobleme nicht in der Lage die Situation aufzuklaeren. Es stellte sich schliesslich heraus, dass Ricardo einen Ruderbruch hatte und bedingt durch diesen Schaden sehr viel selbst steuern musste. Die Anstrengung liess ihn bei einer kurzen Pause in einen tiefen Schlaf fallen. Aufgewacht ist er erst durch den Ruck beim Auflaufen auf einen Sandstrand. Als er schliesslich an Land gelangt ist, musste er versuchen an ein Telefon zu gelangen und sich an eine Nummer zu erinnern. Er waehlte die naheliegendste, die seiner Frau und schilderte seine Situation mit der bitte die Regatteleitung zu informieren. Ohne Positionsangabe nur mit einem brasilianischen Namen war die franzoesisch-italienische Kommunikation nicht wirklich erkenntnisreich und so wusste man zunaechst nur, dass es ihm gut geht. Das Rennen war fuer ihn jedoch bereits vorbei. Sehr tragisch, da er zu diesem Zeitpunkt an dritter Position lag und ein hervorragendes Rennen gefahren ist. Der sympathische Italiener nimmt es jedoch nicht allzu schwer, hat er doch durch seine Abwesenheit auf dem Atlantik ein wichtiges Ereignis verpasst: Die Geburt seines zweiten Kindes! Zwei Tage nach seiner Strandung kommt er schliesslich in Salvador an und gibt mit seinem typischen Schmunzeln das Telefonat mit seiner Frau wieder: Er: Das Boot ist gestrandet…aber ist es ein Maedchen oder ein Junge?. Sie: Was, dass Boot ist gestrandet? Er: Sag mir bitte, ist es ein Maedchen, oder ein Junge? Sie: Es ist ein Junge. Er: Ja, dass Boot ist gestrandet…

Neben den Skippern kommen auch nach und nach die Begleitboote nach ihrer Atlantikueberquerung im Hafen von Salvador an. Auch sie werden herzlich begruesst, da sie ein elementarer Teil der Regatta sind und waehrend der gesamten Zeit im engen Kontakt mit den Skippern standen.

Am 27. Oktober sind noch 10 Minis auf dem Meer. Einer darunter bereitet den Organisatoren schlaflose Naechte. Alexandre Scrizzi (672). Seine Position ist seit einiger Zeit aeusserst auffaellig, da er sich bereits suedlich von Salvador befindet und damit am Ziel vorbeigefahren ist. Die Situation ist so beunruhigend, dass die Regattaleitung sich mit der brasilianischen Seenotrettung und Marine in Verbindung setzt, um Unterstuetzung zu erbitten. Ein Flugzeug soll zu der Position des Boots fliegen und versuchen Kontakt aufzunehmen. Es ist wirklich ernst. Die heitere Stimmung auf der Terasse des Terminal Maritimico wird von der Information ueber den Sachstand und die folgenden Aktionen getruebt. Die Organisation erlaeutert, was bereits unternommen wurde und was noch folgt. Die meisten Gespraeche kreisen nur noch um ein Thema. Das Flugzeug mit Isabelle Magois (Regattaorganisation und ehemalige Minitransatteilnehmerin), Luca Montagne (Praesident der Classe Mini) und einem Arzt an Bord ist unterwegs. Sie ueberfliegen das Boot von Alexandre, koennen aber weder einen Funk- noch wirklichen Sichtkontakt herstellen. Sie haben jedoch Gewissheit gewonnen, dass das Boot unter Spi mit ersten Reff nach wie vor mit 8 - 9 Knoten in Richtung Sueden unterwegs ist. Im Niedergang war eine “Form” sichtbar. Alles nicht wirklich beruhigend und ohne abschliessende Erklaerung. Ein Flugzeug der brasilianischen Marine wird einige Stunden spaeter aehnliches feststellen. Die “Form” wird dieses Mal im Cockpit gesichtet. Da sich das Boot ca. 300 Meilen von der Kueste entfernt befindet, wird das Marineschiff die Zone erst am Nachmittag des 27. Oktobers erreichen und ebenfalls versuchen Kontakt mit Alexandre aufzunehmen. Der Versuch gelingt und Alexandre teilt mit, dass sein GPS seit dem Aequator nicht mehr funktioniert und er im Glauben war sich 400 Meilen weiter noerdlich zu befinden. Er wird nun bei seinem Kurs auf Salvador von der Marine begleitet und am Donnerstagvormittag erwartet.
Trotz der Erleichterung ueber die Nachricht, dass weder ein Unfall noch ein mentales Tief mit fatalen Folgen die Ursache des beunruhigenden Kurses waren bleibt der Vorfall ungewoehnlich und heiss diskutiert. Die meisten Skipper koennen nicht glauben, dass man sich dermassen irren kann, auch bei einem Technikausfall. Genau das ist ja gerade der Grund, warum die Boote mit einem Sextanten ausgeruestet und die Skipper diesen auch anwenden koennen muessen…

Der heutige Dienstag bringt nach der Erleichterung noch ein freudiges Ereignis zu Tage. Die Hochzeit von Fabien Sellier (483) und seiner Freundin Hoelenn. Die beiden liessen sich in recht aussergewoehnlichem Rahmen auf dem Begleitboot Podorange nach alter Tradition von dem Skipper/Kapitaen trauen. Im Anschluss feierten die beiden bei einer Rundfahrt mit einem Ausflugsboot durch die Allerheiligenbucht von Salvador mit den Ministen und unterstuetzt von brasilianischem Temperament und Lebensart bis in die Nacht. Da die naechsten Ankuenfte erst fuer morgen Vormittag vorhergesagt sind, konnten auch die Organisatoren etwas entspannen und feiern.

Norbert liegt momentan an 42. Position und wird morgen zwischen 10 und 11 Uhr lokaler Zeit als erster von den vier nur wenige Meilen voneinander entfernten Minis im Ziel erwartet. Es wird nach 24 Tagen auf See seine letzte Nacht auf dem Atlantik sein. Auch fuer den Endspurt dieses Langstreckenrennens schicke ich ihm meine guten Wuensche entgegen und bin schon sehr gespannt auf und erfreut ueber seine Ankunft!

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26 sind noch unterwegs

Oktober 26th, 2009 · Transat 6,50

Die meisten Zielankuenfte an einem Tag wurden bisher am heutigen 25. Oktober verzeichnet. Es verbleiben noch 26 Skipper auf dem Meer. Wieder liegen die Boote beim ueberqueren der Ziellinie teilweise nur wenige Meter auseinander.

Andreas Lindlahr hat sein Transat 6,50 um die Mittagszeit beendet und wird wenige Minuten vor dem Niederlaender Robert Rosen Jacobsen gewertet. Andreas erzaehlt von reichlich vielen Amwindstrecken und schlechtem Wetter fast ueber die Haelfte der Zeit. Trotz dieser Widrigkeiten haben bei ihm die positiven Momente ueberwogen.

Robert hatte sich das Leben auf dem Mini etwas weniger schwierig vorgestellt, ist mit dem Ergebnis und Erlebnis trotzdem zufrieden, als er beherzt die frischen Fruechte verschlingt, mit denen die Skipper empfangen werden. Auch die deutsch-italienerin Daniela Klein erreicht heute strahlend das Ziel.

Waehrenddessen kommt Norbert gut voran und hat die 400 Meilen schon unterschritten, die sich hoffentlich bald auf null reduziert haben.

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15 im Ziel

Oktober 24th, 2009 · Transat 6,50

Am Abend des 23. Oktobers haben 15 der 79 im Rennen verbliebenen Skipper wieder festen Boden unter den Fuessen. Die Frequenz der Zielankuenfte wird sich in den naechsten Tagen noch deutlich erhoehen.

Norbert kommt weiter gut voran und hat mittlerweile das Vulkanarchipel Fernando Da Noronha an Steuerbord querab. Er hat noch rund 700 Meilen vor sich, die ihn im Wesentlichen in Kuestennaehe des brasilianischen Festlandes entlang nach Sueden fuehren wird. Hier ist wieder mit mehr Schiffsverkehr und Fischern zu rechnen, was eine erhoehte Aufmerksamkeit erfordert und damit einmal mehr einiges an Schlaf kosten wird.

Um 16:38 lokaler Zeit faehrt der junge Franzose aus Le Havre, Charly Dalin (435) souveraen den Sieg in der Serienbootwertung der zweiten Etappe nach Hause und beweist damit, dass Francisco Lobato, der die erste Etappe so souveraen gewonnen hat, nicht unschlagbar ist. Ob der Etappensieg auch den Gesamtsieg bedeuted, wird sich erst zeigen, wenn Francisco im Ziel angekommen ist, denn er hat zwar noch 75 Meilen vor sich, aber von der ersten Etappe auch ein dicken, 22-stuendigen Vorsprung vor Charly. Die Stimmung am Steg und im Race Villiage im Terminal Maritimo steigt deutlich an, da mittlerweile neben den unzufriedenen immer mehr zufriedene Skipper ueber ihre Erlebnisse der letzten Wochen auf See berichten.

Mein Eindruck blieb jedoch eine Momentaufnahme, da ich mich heute touristisch in Salvador und Umgebung bewegt habe, stets mit der Bemuehung die ausgetretenen Pfade zu vermeiden, da die Touristen stets empfohlende Altstadt ‘Pelourinho’ ein unerwartet unangenehmes, unsicheres Gefuehl vermittelt. Das wahre brasilianische Leben findet an anderen Orten statt und hinterlaesst wirklich interessante Eindruecke. Von diesen werde ich jedoch ein anderes Mal berichten, da die lokale Zeit zwar erst 21 Uhr zeigt, sich aber fuer mich immer noch wie die 02 Uhr Mitteleuropaeischer Zeit anfuehlt.

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Die ersten vier

Oktober 23rd, 2009 · Transat 6,50

Minis liegen bereits am fruehen Nachmittag des 22. Oktobers fest vertaeut am Steg im Hafen von Salvador. Thomas Ruyant (667), der strahlende Sieger des Transat 6,50 2009, kam mit den ersten Sonnenstrahlen um kurz nach 06 Uhr lokaler Zeit ins Ziel. Auf Grund der fruehen Stunde war das Empfangskommitee relativ begrenzt, wobei neben den Offiziellen vornehmlich die Presse vertreten war. Nach und nach fuellte sich das Race Villiage auch mit den Angehoerigen der Skipper, die in mehr oder weniger kurzer Zeit im Ziel erwartet werden.

Kurz vor 13 Uhr gibt es ein Kopf an Kopfrennen um den zweiten Platz. Bertrand Delesne (754) hat um 27 Sekunden die Nase vor Henri Paul Shipmann (716) ! Und das wohlgemerkt nach rund 3.300 reell gesegelten Meilen. Unglaublich ! Das Protododium ist bereits besetzt, als Stephane Le Diraison gegen 14:30 am Ponton empfangen wird.

Die Stimmung ist bei allen Dreien, deren Ankunft ich miterlebt habe, anders als erwartet, recht verhalten. Sobald die Salutschuesse verhallt und die Boote am Steg fest sind, folgt ein kurzer, eher zuruekhaltender Applaus der kleinen Menschenmenge auf dem Ponton. Meist sprachlos klettern die Skipper auf den Schwimmsteg, wo sie von den beiden Brasilianerinnen in traditioneller Tracht einen Caipirinha und frisches Obst ueberreicht bekommen. Auf mich wirkt die Stimmung schon fast bedrueckt, auf jeden Fall jedoch Trist und dem Anlass und der Leistung irgendwie nicht angemessen. Die in die Gesichter der Skipper eingekerbte Muedigkeit reicht als Erklaerung hierfuer nicht aus.

Nach und nach wird deutlich, dass sich wohl, abgesehen vom Sieger, die Erwartungen nicht erfuellt haben und deshalb die Stimmung nicht ueberschwaenglich wird. Die Enttaeuschung der Skipper strahlt auf die Zuschauer aus, die sich bis auf kurze Ausnahmen nicht wirklich Wagen etwas Euphorie zu zeigen. Bertrand Delesne ist enttaeuscht den Gesamtsieg nicht Errung zu haben, nachdem er die erste Etappe gewonnen hatte. Seine fuer mich hervorragende Platzierung wird um so erstaunlicher, wenn man sein folgenschweres Missgeschick zu Beginn des Pot au Noir beruecksichtigt. Dort hat er sich beim Wasserkochen mit siedendem Wasser den Fuss so schwer verbrueht, dass er eine offene Wunde vorfand, nachdem der Schockzustand abgeklungen war. Er selbst macht jedoch nicht die Verletzung, sonder Fehlentscheidungen im taktisch schwierigen Pot au Noir fuer seinen zumindest bei der Ankunft fuer ihn enttaeuschenden zweiten Platz verantwortlich.

Stephan Le Diraison ist ebenfalls schwer gezeichnet von der Muedigkeit und enormen Strapazen durch technische Defekte. Er berichtet von den zwei Tagen, an denen sein Autopilot und sein Schwenkkiel nicht funktionierte, in denen er die Folgen von ueber 30 Sonnenschuessen wieder in den Griff bekommen musste. Das mindestens 10-koepfige Team seines Sponsors steht scheinbar wortlos am Steg. Aus dem Inhalt seines ersten Interwievs wird sehr deutlich, dass fuer die mit Sponsoren ausgestattete Spitzengruppe einzig und alleine der Sieg zaehlt. Alles andere ist eine Enttaeuschung, gleich welche Umstaende und Schwierigkeiten es unterwegs zu bewaeltigen galt. Ab dem Zweiten sind gemaess dieser Denkweise alle bereits Verlierer.

Die unerwartet triste Situation beschaeftigt Catherine, die Freundin des Schweizers Fabrice Germond (476) und mich noch den ganzen Tag. Bald schon verlassen wir den Hafen und verbringen noch ein paar schoene Stunden in einem Museumskomplex am Meer. Wir hoffen, dass sich die Stimmung am Steg im weiteren Verlauf deutlich hebt, spaetstens, wenn die Nichtprofis ins Ziel kommen, die sich damit einen Traum erfuellen!

Am spaeten Abend quert noch der François Cuinet (412) als Fuenfter die Zielline. Auf den Fotos strahlt und jubelt er. Ein gutes Zeichen und hoffentlich der Beginn der Feierlaune!

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Ein Zieleinlauf bei Nacht

Oktober 22nd, 2009 · Transat 6,50

wird fuer den Fuehrenden der Protowertung Thomas Ruyant (667) prognostiziert. Da er 60 Meilen vor dem Sieger der ersten Etappe Bertrand Delesne (754) liegt, bedeuted dies sogar den Gesamtsieg des La Charente-Maritime / Bahia Transat 6,50 2009 fuer Thomas wenn er vermutlich gegen 7 Uhr MESZ (2 Uhr Ortszeit in Salvador) die Zieleline passiert.

Um sich diesen Traum zu erfuellen musste der 28-jaehrige Franzose aus Dunquerke, Pas de Calais 18 Tage alleine auf dem Atlantischen Ozean verbringen. Es wird noch tiefe Nacht sein in der Allerheiligenbucht von Salvador wenn er voraussichtlich die Ziellinie quert. Der zweite, dritte und vierte Proto Henri Paul Shipman (716), Bertrand Delesne (754) und Stephane Le Diraison (679) werden einige Stunden spaeter am Donnerstag, den 22 Oktober 2009 bei Tageslicht ins Ziel einlaufen.

Die ersten Serienboote werden am Samstag im Hafen von Salvador erwartet. Waehrend die ersten ins Ziel stuermen sind die Letzten fuenf nach wie vor in den Kalmen gefangen. Falls sie nicht bald frei kommen wird der Zielschluss des Transat fuer sie zu einer echten Gefahr, denn es werden nur die Boote gewertet, die innerhalb von 10 Tagen nach dem Sieger ihrer Wertung ins Ziel kommen. Da sich unter den letzten fuenf Booten vier Protos befinden, beginnt fuer sie noch heute Nacht der Countdown.

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1000 Meilen und ein Caipirinha

Oktober 22nd, 2009 · Transat 6,50

Fast zeitgleich haben wir heute den Aequator ueberquert. Norbert auf Hoehe der Meeresoberflaeche, ich 36.000 Fuss darueber im Flugzeug. In Salvador angekommen konnte ich bei meinem ersten Caipirinha in Brasilien dem Racetracker entnehmen, dass Norbert bereits die letzten 1000 Meilen seines Transats in Angriff genommen hat!

Distanzen verschwimmen und relativieren sich. War der 1000 Meilen Solo-Qualifier zu Beginn der Qualifikation fuer das Transat letztes Jahr noch eine enorme Huerde, ist es jetzt schlicht ein kleiner Teil des Rennens! Ein Langstreckenendspurt.

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1145 Meilen

Oktober 21st, 2009 · Transat 6,50

hat Norbert am 20. Oktober 2009 noch vor sich, bis er in Salvador die Ziellienie überqueren kann. Nach dem aktuell von Eddie erstellten Wetterrouting ist mit Norberts Ankunft am 27.10 zwischen 00:00 und 06:00 Uhr zu rechnen.

An der Reihenfolge der Spitzengruppe hat sich nicht viel verändert und es wird zunehmend schwieriger für die Skipper vorhandene Rückstände unter dem Einfluss des konstanten Südost-Passates wieder aufzuholen. Das Feldende steckte auch heute den ganzen Tag überwiegend in einer Schwachwindzone. Negativrekorde werden aufgestellt und die Qualen des Pot au Noir drücken sich in Zahlen wie folgt aus: Innerhalb von 24 Stunden konnten Emmanuel Laurent (389) 28 Meilen, Maxence Desfeux (132) 22 Meilen und Caroline Vieille (439) nur 19 Meilen zurücklegen. Eine wahre Nervenprobe. Norbert ist diesem Flautenklebstoff gut entkommen und kann sich auch weiterhin über konstante Winde angenehmer Stärke freuen.

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Auf 005 Grad 15′ 53″ nördlicher Breite

Oktober 20th, 2009 · Transat 6,50

liegt der nördlichste geographische Punkt Brasiliens. Norbert passiert heute Abend diesen Breitengrad auf seinem Weg nach Süden nach über 16 Tagen auf See rund 32 Längengrade weiter östlich auf dem offenen Atlantik. Das zweite Drittel der 3100 Meilen langen zweiten Transatetappe liegt schon fast hinter ihm und der Äquator rückt in greifbare Nähe. Bereits jetzt ist dies die längste Zeit und Strecke, die Norbert nonstop und einhandsegelnd auf Coconut Run verbringt und jeder zusätzliche Tag bringt eine weitere Steigerung.

Die Passage der Interropischen Konvergenzzone, die permanent in Bewegung ist und sowohl ihre Lage als auch ihre Ausdehnung verändert, müsste Norbert schon weitestgehend bewältigt haben. Der süd- bis südsüdöstliche Wind scheint ihm momentan einen Anlieger auf die Inselgruppe Fernando Da Noronha zu ermöglichen. Bald schon wird auch er in den Genuß eines Halbwindes kommen, der ihm dann auch schnelleres Segeln ermöglichen wird.

Der mit 67 Meilen Vorsprung Führende der Protowertung Thomas Ruyant (667) hat nur noch knapp 600 Meilen bis zum Ziel, dem er mit über 11 Knoten entgegen jagt. Bertrand Delesne (754) und Stéphane Le Diraison (679) liefern sich bei ähnlichen Geschwindigkeiten auf dem vierten und fünften Rang in Sichtweite zueinander ein Kopf an Kopf-Rennen. Die vier Verfolger sind etwa auf der Höhe des Archipels Fernando Da Noronha, dass gemäß des Reglements an Steuerbord liegen bleiben muss.

Heute Nachmittag hat Charly Dalin (435) Francisco Lobato (607) die Spitzenposition bei den Serienbooten wieder abgeknöpft und hat noch 838 Meilen vor Bug bis nach Salvador. Entschieden ist dabei natürlich noch gar nichts, denn immerhin ist die verbleidende Strecke weiter als die Renndistanz der längsten Qualifikationsrennen (z.B. Minifastnet oder Transgascogne). Was hier zu einen Teilabschnitt mutiert ist sonst mehr als eine ganze Regatta! Na dann auf zum Endspurt…

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